Ethanol als Schiffskraftstoff: Premiere im Hafen Rotterdam

29.05.2026 09:00 Uhr | Lesezeit: 3 min
Das Containerschiff Eco Levant der Reederei X-Press Feeders wurde im Rotterdamer Hafen mit Ethanol betankt
Im Hafen Rotterdam wurde erstmals ein Containerschiff mit Ethanol als Schiffskraftstoff betankt – ein Meilenstein für alternative Kraftstoffe in der Seeschifffahrt.
© Foto: Seatrade Maritime / Pexels

Im Hafen Rotterdam ist erstmals ein Seeschiff von einem Bunkerboot mit Ethanol betankt worden. Der Bunkervorgang gilt als wichtiger Schritt für alternative Schiffskraftstoffe und die Reduzierung von CO₂‑Emissionen in der Seeschifffahrt.

Im Hafen Rotterdam ist erstmals Ethanol als Schiffskraftstoff an ein Seeschiff geliefert worden. Am vergangenen Wochenende wurde das Containerschiff Eco Levant der Reederei X‑Press Feeders mit Ethanol betankt. Nach Angaben des HAfens handelt es sich um einen der ersten Ethanol‑Bunkervorgänge weltweit und um eine Premiere für den Rotterdamer Hafen.

Der Bunkervorgang wurde mit einem Bunkerboot durchgeführt und unter kontrollierten Betriebsbedingungen abgeschlossen. Ziel des Projekts sei es, alternative, kohlenstoffarme Kraftstoffe für die Seeschifffahrt praktisch zu erproben.

Ethanol‑Methanol‑Gemisch unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Nach der Betankung fährt die Eco Levant mit einem Gemisch aus Ethanol und Methanol. Das Betanken mit Methanol ist bereits gängige Praxis. Diese Kraftstoffmischung bestand zu 90 Prozent aus ISCC‑EU‑zertifiziertem Biomethanol und zu 10 Prozent aus ISCC‑EU‑zertifiziertem Ethanol der zweiten Generation.

Ethanol und Methanol wurden getrennt voneinander gebunkert und jeweils mit einem Bunkerschiff der Binnenschifffahrt angeliefert. Erst an Bord des Seeschiffs wurden die beiden Kraftstoffe miteinander vermischt. Die Lieferung übernahm Tankmatch, ein auf Methanol‑Betankungen spezialisiertes Unternehmen, mit dem Bunkerschiff MTS Experience.

X‑Press Feeders prüft alternative Kraftstoffe für die Flotte

Die Reederei X‑Press Feeders sieht alternative Schiffskraftstoffe als wichtigen Bestandteil ihrer Emissionsstrategie. Das Unternehmen betreibt weltweit mehr als 100 Schiffe und läuft über 180 Häfen an.

„Schiffskraftstoffe entwickeln sich ständig weiter. Bei X‑Press Feeders legen wir großen Wert darauf, praktikable Lösungen kontinuierlich zu prüfen und weiterzuentwickeln. Lösungen, die zur Senkung der Emissionen unserer Flotte beitragen“, betonte Shivendu Gadkar, Leiter Flotteneffizienz und ‑leistung bei X‑Press Feeders.

Bedeutung der Lieferkette für alternative Schiffskraftstoffe

Begleitet wurde das Projekt von Methanave, einem spezialisierten Beratungs‑ und Dienstleistungsunternehmen für alternative Schiffskraftstoffe. Der Fokus des Unternehmens liegt auf Methanol‑ und Ethanolprojekten in der Schifffahrt.

„Dieses Projekt verdeutlicht die Flexibilität alternativer Kraftstoffe wie Methanol und Ethanol in der Schifffahrt und zeigt, wie die Zusammenarbeit der gesamten Lieferkette die Umsetzung beschleunigen kann“, so Morten Jacobsen, Methanave.

Rotterdam baut Rolle als Bunkerhafen für alternative Kraftstoffe aus

Der Hafen Rotterdam ist der zweitgrößte Bunkerhafen weltweit. Jährlich werden dort rund zehn Millionen Tonnen Treibstoff gebunkert. Die Hafenbehörde verfolge das Ziel, künftig eine breite Palette alternativer und kohlenstoffarmer Kraftstoffe bereitzustellen.

„Dieser Meilenstein zeigt, dass Rotterdam bereit ist für eine breite Palette alternativer Kraftstoffe. Wir möchten gemeinsam mit allen Beteiligten im Hafen dafür sorgen, dass künftig alle alternativen, kohlenstoffarmen Kraftstoffe gebunkert werden können, um so die Nachhaltigkeit der internationalen Schifffahrt zu fördern. So setzen wir unser Ziel um, der führende Umschlaghafen für nachhaltige Kraftstoffe zu werden“, sagte Matthijs van Doorn, kaufmännischer Direktor der Port of Rotterdam Authority.

Bereits im Jahr 2025 hatte der Hafen Rotterdam ein Pilotprojekt zur Betankung mit Ammoniak erfolgreich durchgeführt.

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