Mehrere Industrie- und Verkehrsverbände erhöhen den Druck auf die Bundesregierung, den Schienengüterverkehr finanziell zu entlasten. In einem gemeinsamen Appell fordern der Verband der Chemischen Industrie (VCI), der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x), DIE PAPIERINDUSTRIE, die Wirtschaftsvereinigung Stahl sowie der Verband der Güterwagenhalter (VPI) eine zügige Reform der Trassenpreise.
Aus Sicht der Verbände gefährden steigende und schwer kalkulierbare Nutzungsentgelte für das Schienennetz die Wettbewerbsfähigkeit des Güterverkehrs und der Industrie.
Kritik an geplanten Förderkürzungen
Besondere Sorge bereitet den Organisationen der Entwurf des Bundeshaushalts 2027. Dieser sieht eine Reduzierung der Trassenpreisförderung vor.
Nach Ansicht der Verbände würde eine Kürzung die wirtschaftliche Belastung für Eisenbahnunternehmen und ihre Kunden weiter erhöhen. Gerade in der aktuellen Konjunkturlage seien zusätzliche Kostensteigerungen kaum zu verkraften.
Planbarkeit wird zum zentralen Thema
Neben der Höhe der Entgelte kritisieren die Verbände vor allem deren fehlende Vorhersehbarkeit. Unternehmen benötigten langfristige Planungssicherheit, um Investitionen in Güterwagen, Lokomotiven und Logistikkonzepte wirtschaftlich bewerten zu können.
Gefordert werden daher:
- verlässliche Preisentwicklungen,
- langfristige Kalkulierbarkeit,
- sowie eine ausgewogene Kostenverteilung innerhalb des Schienensystems.
Qualität des Netzes soll stärker berücksichtigt werden
Die Verbände verweisen darauf, dass hohe Netzentgelte nur dann nachvollziehbar seien, wenn gleichzeitig die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur verbessert werde.
Kritisiert werden weiterhin:
- Verspätungen,
- Qualitätsprobleme im Netz,
- sowie Einschränkungen bei Zuverlässigkeit und Kapazität.
Aus Sicht der Unternehmen müssen Preisentwicklung und Netzqualität künftig stärker miteinander verknüpft werden.
Anreize für Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit
In ihrem Positionspapier schlagen die Organisationen zusätzliche Instrumente vor, um die Leistungsfähigkeit des Schienengüterverkehrs zu stärken.
Dazu zählen unter anderem:
- Bonus-Malus-Systeme für Pünktlichkeit,
- Anreize für höhere Zuverlässigkeit,
- sowie umleitungsbedingte Fahrten ohne zusätzliche Kostenbelastung.
Ziel ist es, die Attraktivität des Verkehrsträgers Schiene langfristig zu erhöhen.
Industrie sieht Gefahr für Verlagerungsziele
Die Unterzeichner warnen, dass steigende Trassenpreise den politischen Zielen einer stärkeren Verkehrsverlagerung widersprechen könnten.
Werden die Kosten für den Schienengüterverkehr erhöht, könnte dies dazu führen, dass Transporte wieder stärker auf die Straße verlagert werden. Dies würde sowohl den Klimazielen als auch der angestrebten Entlastung der Verkehrsinfrastruktur entgegenlaufen.