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Grundsanierung der Finowkanal-Schleusen beginnt

21.02.2023 10:51 Uhr
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So soll die Schleuse Leesenbrück nach der Grundinstandsetzung aussehen - also fast unverändert.
© Foto: Finowkanal.info

Am vergangenen Freitag hat die Grundinstandsetzung der Schleusen am Finowkanal begonnen, der ältesten noch in Betrieb befindlichen künstlichen Wasserstraße Deutschlands.

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Mit dem Spatenstich an der Schleuse Ruhlsdorf feiern die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und der Zweckverband Region Finowkanal den Start der Grundsanierung an den sechs westlichen Schleusen am Finowkanal nördlich von Berlin. Der Bau der Schleusen erfolge in zwei Ausführungspaketen, teilte die WSV mit. Die ersten drei Schleusen (Ruhlsdorf, Leesenbrück, Grafenbrück) werden parallel gebaut. Ein Jahr später soll mit den Baumaßnahmen an den nachfolgenden drei Schleusen (Schöpfurt, Heegermühle, Wolfswinkel) begonnen werden. Insgesamt sollen zwölf Schleusen erneuert werden. Für die östlichen sechs Schleusen werden derzeit Baugrund- und Bauwerksuntersuchungen als Voraussetzung für die Planung von Grundinstandsetzungsmaßnahmen vorbereitet.

Der Bund beteiligt sich mit 50 Prozent der Gesamtinvestitionen an allen Bau- und Planungskosten zur Grundinstandsetzung einschließlich der Automatisierung der Schleusen am Finowkanal. Gefördert wird die Grunderneuerung vom Land Brandenburg; auch der Landkreis Barnim und die Anliegerkommunen beteiligen sich. „Die WSV wird weiterhin die Wehre betreuen und somit für einen ordnungsgemäßen Wasserabfluss zuständig sein“, erläuterte Ralf-Rüdiger Dimmek, amtierender Leiter des WSA Oder-Havel. „Mit den modernen automatisierten Schleusen wird die durchgehende Schifffahrt auf dem Finowkanal erleichtert und dauerhaft gesichert.“

Die faktisch neuen Schleusen werden die historische Gestaltung der Vorgängerbauten aufnehmen und in den ursprünglichen Abmessungen errichtet. Die neuen Schleusen erfüllen alle technischen Anforderungen an Wasserbauwerke und sind mit einer Lebensdauer von mindestens 80 Jahren konzipiert. Historische Bauelemente werden, soweit möglich, in die neuen Schleusenanlagen integriert. Zudem werden die Schleusen mit elektrischen Antrieben für den selbstbedienten automatisierten Betrieb ausgerüstet.

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Eine der Finowkanal-Schleusen im Jahr 2009.
© Foto: Roeser

Baubeginn vor dem Dreißigjährigen Krieg

Der Finowkanal ist die älteste noch schiffbare künstliche Wasserstraße Deutschlands. 1603 erteilte der Kurfürst Joachim Friedrich Wilhelm die Order, die Havel bei Liebenwalde über das Flüsschen Finow mit der Oder zu verbinden. 1620 wurde der reguläre Schiffsverkehr auf dem damals 38,62 km langen und mit elf Schleusen errichteten Finowkanal aufgenommen. Infolge des verheerenden Dreißigjährigen Krieges verfiel dieses markante Wasserbauwerk sehr schnell. Ab 1743 wurde der Kanal durch Erlass Friedrichs II. mit verändertem Streckenverlauf und stabileren Schleusen wiederhergestellt. 1749 war der Kanal wieder befahrbar. Der Finowkanal entwickelte sich zu einer der wichtigsten deutschen Binnenwasserstraßen und bestimmte die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Finowtals als Wiege der „brandenburgisch-preußischen Industrie“ bis ins 20. Jahrhundert. Noch heute lassen sich an den Ufern zahlreiche kulturhistorische Sehenswürdigkeiten aus diesem Industriezeitalter entdecken, speziell in Eberswalde. Bald waren aber die Kapazitäten der Wasserstraße erschöpft. 1914 wurde der wirtschaftlich effektivere Oder-Havel-Kanal für die Binnenschifffahrt eröffnet und der Finowkanal verlor an Bedeutung. Jahrelang diente er vorrangig nur noch zur Regulierung des Wasserhaushaltes. Dementsprechend wurden nur die notwendigsten Erhaltungsmaßnahmen vorgenommen.

Auf den Finowkanal geht auch der Finowmaßkahn zurück: Das Finowmaß wurde 1845 festgelegt, als die Kanalschleusen erneuert wurden. Das Finowmaß war maßgeblich für die Spezifikation der Binnenschiffsklasse I östlich der Elbe. (roe)

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