Das LNG-Terminal in Mukran auf Rügen soll im Winter 2027/2028 seine Einspeisekapazität deutlich ausbauen, teilt die dpa mit: Betreiber Deutsche Regas plant, dafür ein zweites Terminalschiff an der Ostseeküste zu stationieren.
Grundlage ist ein Chartervertrag mit der japanischen Reederei Mitsui O.S.K. Lines (MOL), der nach Angaben der Deutschen Regas am Donnerstag, den 29. Oktober, in Tokio unterzeichnet werden sollte. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ über die Pläne berichtet.
Deutschland verfügt inzwischen über mehrere schwimmende Terminals für Flüssigerdgas (LNG), wobei die meisten Anlagen an der Nordseeküste liegen. Die LNG-Infrastruktur wurde nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ausgebaut, um Deutschlands Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen zu verringern.
Mukran hatte bereits zwei LNG-Terminalschiffe
Im Hafen Mukran waren zeitweise bereits zwei Spezialschiffe stationiert. Eines davon hatte die Deutsche Regas von der Bundesregierung gechartert. Im Jahr 2025 gab das Unternehmen jedoch die Kündigung dieses Vertrags bekannt und begründete den Schritt unter anderem mit der Preispolitik des staatlichen Terminalbetreibers Deutsche Energy Terminal (DET).
Die DET betreibt LNG-Terminals an der deutschen Nordseeküste. Das Terminal in Mukran ist nach Angaben der Deutschen Regas dagegen das einzige privat finanzierte LNG-Terminal Deutschlands.
Bis zu 13,5 Milliarden Kubikmeter Regasifizierungskapazität
Durch das zweite Terminalschiff will die Deutsche Regas die Regasifizierungskapazität in Mukran wieder auf bis zu 13,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erhöhen.
Geschäftsführer Ingo Wagner verweist dabei auf die Bedeutung des Standorts für die Gasversorgung. „Die Partnerschaft mit MOL ermöglicht es uns, die Energiesicherheit langfristig zu stärken und schafft zusätzliche Importflexibilität, von der Verbraucherinnen und Verbraucher, Industrie und Energiemärkte gleichermaßen profitieren“, sagte Wagner.
Als einziges LNG-Terminal in Ostdeutschland habe Mukran seine Bedeutung für die Versorgungssicherheit unter Beweis gestellt, so das Unternehmen.
LNG deckte rund zwölf Prozent der deutschen Gasimporte
Der Anteil der LNG-Terminals an den deutschen Gasimporten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur entfielen im ersten Halbjahr 2026 rund zwölf Prozent der deutschen Gasimporte auf LNG-Terminals.
Der größte Teil des Erdgases erreicht Deutschland weiterhin über Pipelines, insbesondere aus Norwegen, so die dpa weiter. Die LNG-Anlagen sollen zugleich zusätzliche Flexibilität bieten, wenn andere Versorgungswege ausfallen. Kritiker sehen in dem Ausbau hingegen eine überdimensionierte fossile Infrastruktur.
Erdgaspreis erreicht 100 Euro je Megawattstunde
Parallel zum geplanten Kapazitätsausbau sind die europäischen Erdgaspreise deutlich gestiegen. Am vergangenen Mittwoch erreichte der europäische Gaspreis erstmals seit 2022 wieder 100 Euro je Megawattstunde (MWh).
Als wesentlicher Preistreiber gilt der Iran-Krieg. Die für den internationalen LNG-Handel wichtigen Lieferungen durch die Straße von Hormus sind gestört.
Zusätzlichen Einfluss hat das Auffüllen der deutschen Gasspeicher vor dem Winter. Deutschland erhöht seit Wochen seine Gasreserven. Der Füllstand der Speicher liege derzeit bei mehr als 61 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren die deutschen Gasspeicher zu rund 75 Prozent gefüllt.