Beim weltweiten größten Forschungs-Förderungsprogramm Horizon Europe der Europäischen Union (EU) stieß das Projekt Herfried auf die bestmögliche Resonanz: Der von Lisa-Maria Putz-Egger und ihrem Team vom Logistikum der Fachhochschule Oberösterreich (FH OÖ) in Steyr eingereichte Antrag auf Forschungsförderung wurde mit der selten erreichten Höchstpunktzahl von 15,0 bewertet. Für das Herfried-Konsortium mit 17 Partnern aus Österreich, Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, den Niederlanden und Polen bedeutet das ein Forschungsbudget von knapp acht Millionen Euro, davon entfallen circa 1,4 Millionen Euro auf die FH Oberösterreich. Mit an Bord sind etp-Alice, Imec, University of Antwerp, Pro Danube International, Viadonau, Transport Trade Services, Voestalpine, Chasqee, RSOE, Transporeon, 4shipping, De Vlaamse Waterweg, AI Cargofoundation, Panteia, Frequentis und Inuits.
„Mit dem Forschungsprojekt Herfried schaffen wir mit einem starken industriebasierten Konsortium ein digital vernetztes, intelligentes und integriertes System für die Binnenschifffahrt – wir verbinden Unternehmen, Logistikdienstleister, Behörden und Infrastrukturbetreiber, automatisieren den grenzüberschreitenden Informationsaustausch und koordinieren Abläufe in Echtzeit über verschiedene Verkehrsträger hinweg“, erklärt FH-Professorin Putz-Egger. Ziel ist es, praxisnahe Lösungen zu entwickeln, Umschläge sowie Kapazitäts- und Routenentscheidungen zu optimieren und die Binnenschifffahrt nahtlos in multimodale Lieferketten einzubinden, um Effizienz, Verlässlichkeit und die Klimabilanz in Europa nachhaltig zu verbessern.
Industriepartner testet digitale Lösungen
Wie das konkret aussieht, zeigt sich am Beispiel des Konsortiummitglieds Voestalpine. Der österreichische Stahl- und Technologiekonzern nutzt den gesamten Rhein-Main-Donau Korridor für seine Transporte und ist damit „heavy-user“ dieses bedeutenden europäischen Wasserweges. Für die Voestalpine ist die Digitalisierung der gesamten Lieferkette ein zentraler Hebel, um Effizienz, Transparenz und Nachhaltigkeit dauerhaft zu steigern. Durch das Projekt Herfried können, so der Konzern weiter, innovative Lösungen entlang der Wertschöpfungskette entwickelt und getestet werden – von der Rohstoffbeschaffung bis zur Auslieferung. Die enge Zusammenarbeit mit den Projektpartnern soll wertvolle Impulse für datengetriebene Entscheidungsprozesse geben und so für resilientere Supply Chains sorgen.
Digitalisierter Verkehrsträger auf dem Wasser
Durch Digitalisierung werden die Prozesse rund um die Binnenschifffahrt inklusive der relevanten Unternehmen und anderer Verkehrsträger miteinander vernetzt. „Wir schaffen die vollständige digitale Integration der Binnenschifffahrt in multimodale Logistikketten – von smarten Schiffen und Infrastrukturen über standardisierte Datenräume bis zu Verwaltung und Behörden“, erklärt Putz-Egger. Für Projektmanagerin Sophie Wiesinger ist Herfried eine einmalige Chance: „Wir denken Transporte nicht mehr getrennt nach Verkehrsträgern, sondern vernetzt über die gesamte Lieferkette hinweg – genau das macht die Digitalisierung der Binnenschifffahrt so wirkungsvoll.“
Umsetzung in sieben Piloten
Der Forschungsansatz wird in sieben industrienahen Piloten entlang der zentralen europäischen Korridore Rhein-Main-Donau, Seine-Schelde und Donau-ARA Häfen getestet. Der Fokus liegt auf Stück- und Schüttgütern ebenso wie auf multimodalen Gütern wie Containertransporten. Herfried baut auf bestehenden Plattformen auf und verbindet die relevanten Daten nahtlos mit übergeordneten Logistiksystemen über das „Herfried Smart Framework“ und den „Herfried Process Space“.
Da auch öffentliche Stellen am Projekt beteiligt sind, ist gewährleistet, dass einschlägige Gesetze, Normen und Standards berücksichtigt und weiterentwickelt werden. Zugleich richtet sich Herfried ausdrücklich auch an die Politik, die mit geeigneten Rahmenbedingungen dafür sorgen soll, dass die Dinge nicht in, sondern auf den Fluss kommen.
Aktuell befindet sich Herfried im Vertragsverhandlungsprozess und startet am 1. Oktober 2026 für drei Jahre.