Die neun niedersächsischen Seehäfen haben nach eigenen Angaben ihre Umschlagszahlen im ersten Halbjahr 2026 deutlich verbessert. Insgesamt wurden im Seeverkehr 31,1 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht dies einem Anstieg von sieben Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich der Containerverkehr, der mit 898.211 TEU um 36 Prozent zulegte.
Güterumschlag in Niedersachsen steigt auf 31,1 Millionen Tonnen
Der seeseitige Güterumschlag der niedersächsischen Seehäfen erreichte von Januar bis Juni 2026 insgesamt 31,1 Millionen Tonnen. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 mit 29,1 Millionen Tonnen ergibt sich damit ein Wachstum von sieben Prozent.
Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds und wetterbedingter Einschränkungen zu Jahresbeginn setzte sich die positive Entwicklung der Hafenwirtschaft fort.
Containerverkehr und Stückgüter treiben das Wachstum
Für den Zuwachs sorgten vor allem Container und andere Stückgüter. Der Containerumschlag stieg von 664.685 TEU auf 898.211 TEU. Damit entfällt ein wesentlicher Teil des Wachstums auf den internationalen Containerverkehr.
Auch der Stückgutumschlag entwickelte sich deutlich positiv. Mehr als zwölf Millionen Tonnen Stückgüter wurden im ersten Halbjahr 2026 in den niedersächsischen Seehäfen bewegt. Zu den wichtigsten Gütergruppen zählen Container, Windenergiekomponenten, Eisen- und Stahlprodukte, Forstprodukte sowie rollende Ladung. Gegenüber dem Vorjahreswert von 9,6 Millionen Tonnen entspricht dies einem Plus von 25 Prozent.
Massengutumschlag bleibt leicht unter Vorjahr
Während die Stückgüter deutlich zulegten, zeigte sich der Massengutmarkt verhaltener. Der Umschlag von Massengütern erreichte rund 19,1 Millionen Tonnen und lag damit knapp zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau von 19,5 Millionen Tonnen.
Beim Automobilumschlag bewegten sich die Mengen weitgehend stabil. In den drei niedersächsischen Automobilhäfen wurden insgesamt 842.411 Neufahrzeuge umgeschlagen.
Hafenwirtschaft sieht positive Entwicklung trotz belasteter Märkte
„Insgesamt können wir zur Jahresmitte ein positives Fazit zur Entwicklung des Ladungsaufkommens in den niedersächsischen Seehäfen ziehen. Nicht zuletzt zeugt dieses von hoher Kundenzufriedenheit, die unsere Hafenwirtschaft durch ein gutes Angebot und flexible Services erreichen konnte. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Märkte weiterhin unter Druck sind. Während die Umschlagsvolumen von Containern, Komponenten im Bereich der Erneuerbaren Energien und auch bestimmten Massengütern deutlich gewachsen sind, wirken sich bei anderen Gütergruppen Zollbeschränkungen, Veränderungen von Warenströmen aufgrund hoher Energiekosten sowie eine überbordende Regulatorik aus. Nicht zuletzt beeinflusst weiterhin auch die geopolitische Lage die weltweiten Märkte“, kommentiert Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Seaports of Niedersachsen GmbH.
Wilhelmshaven baut Position im Containerumschlag aus
Besonders stark wuchs der Containerumschlag. Mehr als 898.000 TEU wurden abgefertigt, was einem Anstieg von 36 Prozent entspricht. Auch der Automobilumschlag entwickelte sich positiv und erreichte knapp 68.000 Fahrzeuge.
Gegenüber einem rückläufigen Umschlag von Rohöl und Mineralölprodukten, stiegen die Importe von Kohle und Baustoffen weiter an.
Stade erzielt starkes Umschlagsplus
Der Hafen Stade kam auf ein Umschlagsvolumen von rund 3,2 Millionen Tonnen. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ergibt sich damit ein Wachstum von 24 Prozent.
Hintergrund waren höhere Mengen bei Massengütern für die ansässige Industrie sowie zusätzliche Umschläge von Stückgütern und Projektladungen.
Windenergie sorgt an mehreren Häfen für Impulse
Mehrere Hafenstandorte profitierten von einer steigenden Nachfrage im Bereich Windenergie. In Brake entwickelte sich insbesondere der Umschlag von Windenergiekomponenten positiv, obwohl das Gesamtvolumen auf 2,45 Millionen Tonnen sank.
Auch in Cuxhaven legte der Umschlag von Komponenten für die Windenergieerzeugung zu. Der Gesamtumschlag ging dort allerdings auf 1,3 Millionen Tonnen zurück, da der Vorjahreswert durch umfangreiche Bauprojekte mit zusätzlichen Baustofftransporten geprägt war.
Emden profitierte ebenfalls von steigenden Umschlagszahlen bei Windenergieanlagen. Das Gesamtvolumen lag mit rund 2,3 Millionen Tonnen dennoch knapp unter dem Vorjahresniveau.
Unterschiedliche Entwicklung an den weiteren Hafenstandorten
Nordenham erreichte im ersten Halbjahr 2026 ein Umschlagsvolumen von rund 0,9 Millionen Tonnen. Rückgänge bei Kohle und Flüssiggütern wurden teilweise durch Projektladungen im Bereich der Kabellogistik ausgeglichen.
Papenburg steigerte den Seegüterumschlag um rund drei Prozent auf 335.025 Tonnen. Zudem nahm der Binnenschiffsverkehr zu: Mit 125.210 Tonnen stiegen die Mengen von Gütern, die per Binnenschiff
angeliefert oder abtransportiert wurden, um 10 Prozent.
Leer verbuchte im kombinierten See- und Binnenschiffsverkehr ein Plus von 15 Prozent auf rund 107.000 Tonnen.
Hafen Oldenburg bleibt für Seeschiffe gesperrt
Der Neubau der Eisenbahnbrücke in Elsfleth wirkt sich weiterhin auf den Hafen Oldenburg aus. Da der Standort derzeit nicht mit Seeschiffen erreichbar ist, wurde im ersten Halbjahr 2026 kein seeseitiger Umschlag registriert. Die Brücke soll bis Ende 2027 fertiggestellt sein.
Der Güterumschlag im Binnenschiffsverkehr stieg dagegen um zwei Prozent auf 378.743 Tonnen. Zusätzlich wurden 156.557 Tonnen Güter per Bahn angeliefert.