Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) reagiert auf die anhaltende Niedrigwassersituation am Rhein und passt geplante Baumaßnahmen im westdeutschen Kanalnetz an. Nach Angaben und einem Antrag des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) werden zwei ursprünglich vorgesehene Vollsperrungen wichtiger Schleusen deutlich eingeschränkt, um die Leistungsfähigkeit der Wasserstraßen für den Güterverkehr zu erhalten.
Zudem findet heute, 12. August, die erste verkehrsträgerübergreifende „Koordinierungsrunde Niedrigwasser“ des Bundesverkehrsministeriums statt. Dort sollen Maßnahmen erörtert werden, um die Auswirkungen niedriger Wasserstände auf Straße, Schiene und Wasserstraße zu begrenzen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger hatte eine stärkere Baustellenflexibilisierung bereits beim Niedrigwasser-Gipfel in Bonn angekündigt.
Schleusen Wanne-Eickel und Dörpen bleiben weitgehend geöffnet
Der BDB hatte die zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter „Westdeutsche Kanäle“ und „Ems-Nordsee“ aufgefordert, geplante Vollsperrungen zu verschieben. Betroffen waren die für Ende August vorgesehene siebenwöchige Sperrung der Schleuse Wanne-Eickel am Rhein-Herne-Kanal sowie die ab Mitte August geplante dreiwöchige Vollsperrung der Schleuse Dörpen am Küstenkanal.
Nach der Anpassung der Bauabläufe sollen beide Schleusenanlagen nicht mehr vollständig, sondern lediglich für kurze Zeiträume gesperrt werden. Beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ems-Nordsee wird dafür zusätzliches Personal eingesetzt, zudem werden Urlaube verschoben.
„Diese Maßnahmen sind sehr wichtig, um die durchgängige Schiffbarkeit der Kanäle gewährleisten zu können. Sie haben eine wichtige ‚Bypassfunktion‘ für den von Niedrigwasser betroffenen Rhein und stellen eine unverzichtbare Umfahrungsmöglichkeit für Gütertransporte dar“, erklärt BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen.
Westdeutsche Kanäle sichern Güterverkehr bei Niedrigwasser
Aus Sicht des Verbandes übernehmen die westdeutschen Kanäle während der Niedrigwasserphase eine zentrale Rolle für die Versorgung von Industrie und Wirtschaft.
Rund 32 Millionen Tonnen Güter werden jährlich im westdeutschen Kanalgebiet transportiert. Die Schleuse Dörpen bildet dabei die Verbindung zwischen Küstenkanal und Dortmund-Ems-Kanal. Der Küstenkanal ist eine wichtige Wasserstraßenverbindung für Binnenschiffstransporte zwischen dem Wesergebiet sowie den Niederlanden und Belgien.
Der Rhein-Herne-Kanal verläuft weitgehend parallel zum Wesel-Datteln-Kanal und verbindet das Ruhrgebiet mit dem Dortmund-Ems-Kanal. Zudem bestehen über den Mittellandkanal wichtige Verbindungen in Richtung Nord- und Ostdeutschland.
BDB lobt WSV und fordert Verzicht auf Stellenabbau
Der BDB bewertet die kurzfristige Anpassung der Baumaßnahmen als Beleg für die Handlungsfähigkeit der Wasserstraßenverwaltung in einer Krisensituation.
„Das pragmatische und engagierte Handeln der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung entspricht genau dem früheren Werbeslogan der WSV ‚Wir machen Schifffahrt möglich‘, und es zeigt, dass die Verwaltung voll handlungsfähig ist“, betont Jens Schwanen.
Gleichzeitig verweist der Verband auf die geplanten Personalkürzungen in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung: „Klar ist aber auch: Wenn die Bundesregierung die geplanten massiven Stellenkürzungen von 2,2 % pro Jahr bis Ende des Jahres 2029 in der WSV umsetzt, kann die Schifffahrt bereits ab dem Jahr 2027 nicht mehr mit dieser Flexibilität rechnen, da den Ämtern dann schlichtweg das Personal fehlt, um auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können. Wir richten daher erneut den dringenden Appell an die Bundesregierung, auf diese drastische Personalkürzung zu verzichten. Die Personaleinsparungen sind vor dem Hintergrund der Notwendigkeit, Verkehrssysteme künftig resilienter aufzustellen, absolut kontraproduktiv“, so Schwanen.