Deutschland investiert weniger denn je in Infrastruktur

24.03.2026 17:26 Uhr | Lesezeit: 3 min
Stabel mit Münzen und Prozentzeichen
Alarmierende Zahlen: Investitionen seit Jahren im Sinkflug (Symbolbild)
© Foto: patpitchaya - stock.adobe.com

Deutschland hat 2025 so wenig investiert wie nie seit der Wiedervereinigung. Experten warnen vor maroder Infrastruktur und fehlender Dynamik.

Unternehmen, Staat und private Haushalte haben im Jahr 2025 so wenig in Gebäude, Maschinen, Geräte und Infrastruktur investiert wie nie seit der deutschen Wiedervereinigung. Nach offiziellen Daten lag die Nettoanlageninvestitionsquote gemessen an der Wirtschaftsleistung bei minus 0,23 Prozent. Das geht aus Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums und des Statistischen Bundesamts hervor, die vom Linken‑Abgeordneten Cem Ince abgefragt und ausgewertet wurden.

Was die Nettoanlageninvestitionsquote zeigt

Berücksichtigt werden dabei sämtliche Anlageninvestitionen von öffentlicher und privater Seite, abzüglich der Abschreibungen. Die ausgewerteten Zahlen, die der Deutschen Presse‑Agentur vorliegen, dokumentieren einen seit Jahrzehnten anhaltenden Rückgang der Investitionen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt.

Langfristiger Abwärtstrend seit den 1990er-Jahren

Während die durchschnittliche Nettoanlageninvestitionsquote in den Jahren 1991 bis 1999 noch bei 7,31 Prozent lag, sank sie im Zeitraum von 2000 bis 2009 auf 2,88 Prozent. Zwischen 2010 und 2019 betrug sie im Schnitt nur noch 2,29 Prozent. In den Jahren von 2020 bis 2025 fiel sie weiter auf durchschnittlich 1,02 Prozent.

Kritik aus der Politik: „Deutschland fährt auf Verschleiß“

Der Sozial‑ und Wirtschaftspolitiker Cem Ince sieht in den Zahlen eine Bestätigung für strukturelle Versäumnisse. Marode Schulen, beschädigte Straßen und eine zunehmend veraltete Infrastruktur seien längst im Alltag spürbar. Seit Jahren werde in Deutschland zu wenig investiert, kritisierte Ince und erneuerte seine Forderung nach einer Vermögensteuer sowie einer umfassenden Investitionsoffensive.

Auch Wirtschaftsforscher schlagen Alarm

Sorge bereitet die Entwicklung auch dem arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Bei den preisbereinigten Bruttoanlageinvestitionen zeige sich seit Jahren ein negativer Trend, sagte IW‑Geschäftsführer Hubertus Bardt. Besonders im Bau habe es zuletzt erneut reale Rückgänge gegeben, die nicht durch Mittel aus dem Sondervermögen kompensiert worden seien.

Fehlende Zuversicht bremst private Investitionen

Mehr als 80 Prozent der Investitionen stammen laut Bardt aus dem privaten Sektor. Dort fehle angesichts der schwachen Konjunktur jedoch die notwendige Zuversicht. Zwar könnten steigende öffentliche Investitionen eine positive Wirkung entfalten, doch sei unklar, ob dadurch tatsächlich neue Impulse in der Privatwirtschaft ausgelöst würden. Viele Unternehmen beschränkten sich derzeit auf reine Ersatzinvestitionen.

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