Bundesverkehrsminister Bilger lädt zum Spitzengespräch Niedrigwasser ein

05.08.2026 13:36 Uhr | Lesezeit: 3 min
Niedrigwasser_Rhein_Duisburg
Historisches Niedrigwasser: 149 Zentimeter in Duisburg-Ruhrort
© Foto: Niederrheinische IHK/Eugen Shkolnikov

Das Niedrigwasser auf den deutschen Wasserstraßen wirkt sich immer stärker auf Transport- und Produktionsprozesse aus, wie eine Umfrage der Niederrheinischen IHK zeigt. Der Bundesverkehrsminister lädt nun zum Spitzengespräch.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Niedrigwasserphase auf dem Rhein und auf vielen weiteren Wasserstraßen, hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) für den Donnerstag, 6. August, zu einem Spitzengespräch Niedrigwasser eingeladen. Es gehe dabei darum „über die Herausforderungen der aktuellen Lage zu sprechen, die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zu erörtern und zusätzliche Handlungsmöglichkeiten zu identifizieren“, teilte das Bundesverkehrsministerium (BMV) mit. Die deutlichen Einschränkungen bei den Transportkapazitäten aufgrund des Niedrigwassers wirkten sich „unmittelbar auf die Lieferketten und Produktionsprozesse aus“, so das Ministerium.


"Langfristig braucht der Wirtschaftsstandort eine krisenfeste Wasserstraße. Dafür werden Milliarden benötigt und der notwendige politische Willen."

Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK


Niederrheinische IHK warnt vor den Folgen des Niedrigwassers

„Die Wirtschaft meldet Notstand“, schreibt die Niederrheinische IHK, die eine Umfrage der IHKs entlang des Rheins durchgeführt hat. Drei Viertel der Unternehmen sind demnach vom Niedrigwasser betroffen, Tendenz steigend. „Was noch vor Wochen auf ein Binnenschiff passte, muss heute aufgeteilt werden. Lieferketten geraten unter Druck, Transporte werden teurer. Unternehmen weichen vermehrt auf Straße und Schiene aus. Aber dafür sind die Gütermengen zu groß“, beschreibt Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK, die aktuelle Lage. 

Belastung bei den Logistikkosten

Die IHK-Umfrage zeigt das Ausmaß des Rhein-Rekordtiefs:

  • 78 Prozent der Unternehmen melden höhere Kosten
  • 72 Prozent müssen ihre Logistikprozesse umstellen
  • Fast jedes dritte Unternehmen schränkt bereits die Produktion ein
  • Sechs Prozent der Unternehmen haben Produktionsprozesse gestoppt
  • 13 Prozent der Unternehmen sehen die Existenz ihres Standortes gefährdet

Besonders deutlich zeigt sich in der Umfrage die Belastung bei den Logistikkosten: Gut die Hälfte der Unternehmen verzeichnet einen Anstieg um mindestens 25 Prozent. Bei knapp einem Drittel sind die Logistikkosten um 50 Prozent oder mehr gestiegen. Besonders anfällig für Einschränkungen auf dem Rhein sind laut den IHKs rohstoff- und transportintensive Branchen. Das Niedrigwasser könnte auch künftige Logistik- und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Rund ein Drittel will künftig weniger Güter mit dem Schiff transportieren lassen. Rund ein Viertel plant, die Lagerhaltung anzupassen.

Wirtschaftsstandort braucht krisenfeste Wasserstraßen

„Diese Situation kam mit Ansage“, sagte Werner Schaurte-Küppers. „Seit dem letzten Extrem-Niedrigwasser 2018 ist zu wenig passiert. Wirtschaft und Verbraucher zahlen jetzt die Rechnung. Kurzfristig hoffen wir auf Niederschlag. Langfristig braucht der Wirtschaftsstandort eine krisenfeste Wasserstraße. Dafür werden Milliarden benötigt und der notwendige politische Willen. Wir unterstützen den Vorschlag von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer einer Niedrigwasser-Taskforce. Bund, Länder, Wirtschaft und Häfen müssen gemeinsam handeln.“


"Es sind jährlich 2,5 Milliarden Euro nötig, also mehr als eine Milliarde mehr als aktuell."

Fabian Griewel, Verkehrsexperte der Niederrheinischen IHK


Jährlich sind laut den IHKs 2,5 Milliarden Euro nötig

Die IHKs fordern höhere Investitionen des Bundes in die Wasserstraßen. „Es sind jährlich 2,5 Milliarden Euro nötig, also mehr als eine Milliarde mehr als aktuell. Ziel ist es, damit die Wasserstraße zu modernisieren, die Fahrrinne des Rhein zu optimieren und Forschung voranzutreiben. Das ist gut angelegtes Geld. 2018 dämpfte das Niedrigwasser die deutsche Industrieproduktion zeitweise um rund 1,5 Prozent“, so Fabian Griewel, Verkehrsexperte der Niederrheinischen IHK. Nach Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft kostete es Deutschland rund 0,4 Prozentpunkte Wirtschaftsleistung. 

Staatssekretär spricht von einem Weckruf

Der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth (SPD), hat das derzeitige Niedrigwasser in deutschen Flüssen als Weckruf bezeichnet. Im „rbb24 Inforadio“ sagte Flasbarth am Mittwoch, 5. August, das Niedrigwasser entlang der Schifffahrtsachse am Rhein mit den Kernindustrien habe schwerwiegende Auswirkungen, denen man begegnen müsse. „Das ist ein zentraler Punkt der Klimaanpassungsstrategie“, so Flasbarth. Das Bundesverkehrsministerium kümmere sich seit Jahren darum, so Flasbarth, aber es sei eben auch so, dass „die Engpassbeseitigung, der Bau flacher, gängiger Schiffe, Mobilitätskonzepte, mit denen man schnell auf andere Verkehrsträger ausweichen kann – dass das alles seine Zeit braucht, bis das dann tatsächlich funktioniert“. 

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