Die niedersächsischen Seehäfen sehen sich als unverzichtbare Drehscheiben für den Ausbau der Windenergie in Deutschland und Europa. Unter der Dachmarke „Seaports of Niedersachsen“ stellen sie auf der WindEnergy 2026 vom 22. bis 25. September in Hamburg ihre Rolle als spezialisierte Logistikstandorte für die Windenergiebranche vor.
Im Fokus stehen Umschlag, Lagerung und Weitertransport von Komponenten für Onshore- und Offshore-Windparks. Mit der direkten Anbindung an Offshore-Windparks in der Nordsee, spezialisierten Umschlaganlagen und trimodalen Hinterlandverbindungen übernehmen die Hafenstandorte wichtige Aufgaben innerhalb der Wertschöpfungskette der Windenergie. Nach Angaben der Hafenwirtschaft sind zugleich Investitionen in Infrastruktur und Netze sowie verlässliche politische Rahmenbedingungen erforderlich, um die bestehenden Potenziale vollständig auszuschöpfen.
Die Standorte Brake, Cuxhaven, Emden und Nordenham stehen exemplarisch für die Bedeutung der niedersächsischen Seehäfen für den Ausbau der erneuerbaren Energien.
Hier geht es zum NPorts Nachhaltigkeitsbericht 2026.
Seehafen Brake baut Position in der Windenergielogistik aus
Der Seehafen Brake verzeichnet nach Angaben der Hafenwirtschaft ein wachsendes Geschäft mit Windenergiekomponenten. Der Schwerpunkt liegt bislang im Onshore-Bereich. Die Anbindung über drei verschiedene Straßenverbindungen ermöglicht flexible Transporte ins Hinterland. Moderne Umschlagtechnik unterstützt die Abwicklung der zunehmend groß dimensionierten Komponenten.
Perspektiven sieht die Branche auch im Offshore-Segment. Zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten ergeben sich durch die geplante Hafenerweiterung im Boitwarder Groden. Die Nähe zum Hafen soll die Ansiedlung weiterer Unternehmen aus der Windenergiebranche erleichtern. „Die Nachfrage am Markt ist da und wir haben ebenso Potenzial, zukünftig auch Offshore Projekte in Brake zu realisieren. Dies auch vor dem Hintergrund der geplanten Hafenerweiterung“, sagt Jörg Kaplan, Bereichsleiter Stückgut bei J. Müller Weser in Brake.
Cuxhaven stärkt seine Rolle als Offshore-Standort
Cuxhaven entwickelt sich weiter als deutscher Offshore-Standort. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Ausbau des Offshore-Hafens Cuxhaven durch Niedersachsen Ports (NPorts). Zusätzliche Schwerlastflächen an der Pier sowie eine weitere RoRo-Rampe sollen den Umschlag von Windenergiekomponenten nahezu jeder Größe ermöglichen. Auch die industrielle Ansiedlung trägt zur Entwicklung des Standorts bei. So sorgt unter anderem das Werk von Siemens für zusätzliche Umschlagsmengen im Offshore-Bereich.
„Die Zusammenarbeit zwischen der lokalen Wirtschaft, der Stadt Cuxhaven, NPorts, dem Land Niedersachsen und dem Bund beim Thema Hafenerweiterung funktioniert hervorragend. Was uns jedoch fehlt, ist ein klares, offizielles Bekenntnis aus Berlin zur Offshore-Windenergie. Gaskraftwerke mögen als Ergänzung notwendig sein, aber die Transformation gelingt nur gemeinsam mit den Erneuerbaren. Die Windkraft ist der Garant für unsere künftige Unabhängigkeit, sie darf in den politischen Entscheidungen keinesfalls aus den Augen verloren werden. Momentan sei allerdings gerade in der produzierenden Offshore-Branche eine gewisse Verunsicherung durch wirtschaftliche und regulatorische Faktoren zu erkennen“, sagt Kapitän Arne Ehlers, Geschäftsführer von BREB und Vorsitzender der Hafenwirtschaftsgemeinschaft Cuxhaven.
Als Herausforderungen werden unter anderem Ausschreibungsverfahren, regulatorische Unsicherheiten und Verzögerungen beim Netzausbau genannt. Nicht ausgelastete Kapazitäten nutzt die Hafenwirtschaft derzeit verstärkt für den Umschlag von Onshore-Windenergiekomponenten.
Emden setzt auf Onshore-Komponenten und Offshore-Service
Der Seehafen Emden hat sich als Importstandort für großformatige Windenergiekomponenten etabliert. Über den Hafen werden unter anderem Stahltürme, Maschinenhäuser und Rotorblätter für den Ausbau der Onshore-Windenergie umgeschlagen. Im Offshore-Segment konzentriert sich der Standort auf Dienstleistungen rund um Betrieb und Wartung von Windparks auf See. Außerdem spielt Emden beim Repowering bestehender Anlagen eine Rolle. Über den Umschlag von Kabeltrommeln unterstützt die Ems Ports Agency & Stevedoring Bet. (epas) zudem Infrastrukturprojekte wie die Stromverbindung „A-Nord“ von Emden bis ins Ruhrgebiet.
„Für uns bieten sich im Bereich der Windenergielogistik zahlreiche Potenziale, die wir mit unseren Hafenanlagen optimal bedienen können. Wir profitieren von der guten Anbindung an die Windparks der deutschen Nordseeküste und einer regionalen Wirtschaft, die voll auf die Energiewende setzt. Damit dieser Weg erfolgreich bleibt, braucht es jetzt ein klares Signal der Politik und einen verlässlichen Kurs pro Erneuerbare Energien. Sie sind der Schlüssel für eine unabhängige, nachhaltige und wehrhafte Energieinfrastruktur“, sagt Timo Siebahn, Geschäftsführer der epas.
Nordenham wichtiger Teil der Offshore-Lieferkette
Auch der Seehafen Nordenham nimmt eine wichtige Funktion innerhalb der Offshore-Windenergie ein. Zu den Aufgaben des Standorts zählen der Umschlag von Seekabeln, Offshore-Komponenten und Monopiles. Letztere erreichen Gewichte von bis zu 2.100 Tonnen. Darüber hinaus nutzen Versorgerschiffe den Hafen für Crewwechsel und den Umschlag von Versorgungsgütern. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Mobilisierung von Installationsschiffen.
„Wir haben einen positiven Eindruck vom Ausbau der Offshore-Windenergie in Deutschland und Europa. Man spürt eine Hands-on-Mentalität, die den Ausbau vorantreibt. Außerdem erhalten wir immer mehr Anfragen von Kunden und Partnern, welche Hafenkapazitäten für Offshore-Projekte dringend benötigen. In Nordenham bieten wir flexible Möglichkeiten, um die zugehörige Logistik abzuwickeln“, sagt Thorben Jepp, Abteilungsleiter Auftragsmanagement bei Rhenus Midgard in Nordenham.
Mit dem Wachstum der Branche steigen nach Angaben der Hafenwirtschaft zugleich die Anforderungen an Krananlagen, Schwerlastflächen und die Belastbarkeit der Hafeninfrastruktur.
WindEnergy 2026 als zentrale Plattform der Windbranche
Die niedersächsischen Seehäfen wollen die WindEnergy 2026 in Hamburg nutzen, um mit Unternehmen, Projektentwicklern und Logistikdienstleistern über Chancen und Herausforderungen der Windenergielogistik zu diskutieren. Darüber hinaus stehen neue Serviceangebote sowie Entwicklungen im Bereich Hafeninfrastruktur im Fokus. Seaports of Niedersachsen präsentiert sich gemeinsam mit weiteren Partnern auf dem Gemeinschaftsstand des Landes Niedersachsen in Halle B5 am Stand 408.