Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) und die Initiative System Wasserstraße (ISW), ein Zusammenschluss von 24 Wirtschaftsverbänden, haben am 3. November 2026 in Berlin Teile einer maroden Spundwand aus einem Wasserstraßen-Bauwerk an die für den Verkehrshaushalt zuständigen Bundestagsabgeordneten Florian Oßner (CDU/CSU) und Uwe Schmidt (SPD) übergeben. Mit der Aktion fordern sie, den pauschalen Stellenabbau in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) während der laufenden Haushaltsverhandlungen zu stoppen, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Ausnahme vom pauschalen Stellenabbau gefordert
Geplant ist ein pauschaler Stellenabbau in Bundesbehörden um mehr als zwei Prozent pro Jahr. Nach heutigem Planungsstand würde die WSV dadurch bis 2030 rund 1.000 Stellen verlieren. Nach Angaben von Verdi lassen sich der sichere Betrieb der Wasserstraßen, der Hochwasserschutz und die Modernisierung der Infrastruktur nur mit ausreichend qualifiziertem Personal gewährleisten. Die Gewerkschaft fordert deshalb, die WSV gesetzlich von den Kürzungen auszunehmen. „Wir brauchen eine Bereichsausnahme für operative und sicherheitsrelevante Aufgaben sowie für Planung und Genehmigung“, sagt Lea Herzig, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi.
Personalmangel gefährdet Schleusenbetrieb
Die ISW verweist auf die Folgen für die Binnenschifffahrt. „Wenn Schichten an den Schleusen wegen Personalmangels nicht mehr besetzt werden können, leidet die Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstraße gegenüber Straße und Schiene“, erläutert Jens Schwanen, einer von fünf Sprechern der ISW. Zudem werde die Handlungsfähigkeit bei Havarien eingeschränkt, wie sie 2024/2025 an der Mosel aufgetreten seien.
Industrie am Rhein auf Wasserstraße angewiesen
ISW-Sprecher Marco Kutscher verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Binnenschifffahrt: Das Niedrigwasser 2026 habe gezeigt, wie stark die Industrie entlang des Rheinkorridors auf funktionierende Wasserstraßen angewiesen sei. Nach Angaben von ISW-Sprecherin Heike van Hoorn können weder Straße noch Schiene die von der Binnenschifffahrt transportierten Mengen aufnehmen. Die Wasserstraße sei der einzige Verkehrsträger mit freien Kapazitäten.