Rhein-Niedrigwasser: Duisburger Hafen zählt bis zu 450 Schiffe pro Woche

21.08.2026 11:45 Uhr | Lesezeit: 4 min
Duisburger Hafen, Ruhrort Hafenbecken
Extremes Rhein-Niedrigwasser erhöht die Zahl der Schiffsanläufe im Duisburger Hafen deutlich. (Symbolbild)
© Foto: Duisport

Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein verändert die Logistik im Duisburger Hafen grundlegend. Weil Binnenschiffe teils nur noch einen Bruchteil ihrer üblichen Ladung transportieren können, steigt die Zahl der Schiffsanläufe deutlich. Gleichzeitig entscheiden oft wenige Zentimeter Wasserstand über Weiterfahrt oder Stillstand.

Der Duisburger Hafen erlebt trotz des extremen Niedrigwassers auf dem Rhein derzeit eine außergewöhnlich hohe Zahl an Schiffsanläufen. Der Grund liegt in den deutlich geringeren Transportmengen je Schiff. Weil viele Binnenschiffe nur noch eingeschränkt beladen werden können, weil sie sonst auf Grund laufen würden, fahren sie häufiger - und laden im Hafen häufiger um, wie die dpa schreibt:

„Wir hätten normalerweise bei normalem Wasserstand so 280 bis 300 Schiffe pro Woche, die den Hafen anlaufen“, sagt Hafenmeister Detlef Bours von der Duisburger Hafen AG. „Wir sind jetzt bei 400 bis 450 in der Spitze.“

Teilweise erreichen Schiffe Duisburg laut Bours statt mit 3.000 Tonnen Ladung nur noch mit rund 300 Tonnen. Parallel verkürzen sich die Liegezeiten deutlich. Wo Schiffe sonst häufig zwischen zehn und 14 Stunden im Hafen liegen, seien derzeit oftmals nur rund zwei Stunden möglich bevor das nächste Schiff komme.

Niedrigwasser sorgt für deutlich mehr Schiffsverkehr

Doch nicht alle Schiffe können ihre geplanten Ziele erreichen. Einige Einheiten, die weiter rheinaufwärts fahren wollten, etwa nach Köln-Godorf, mussten ihre Reise vorzeitig unterbrechen und verbleiben im Hafen.

„Die liegen jetzt hier. Das ist für das Schiff blöd. Das ist für den Spediteur blöd. Es ist auch für den Warenempfänger eine unzufriedene Geschichte, weil er seine Ware nicht kriegt. Und für uns macht es das kompliziert, weil der Hafen natürlich auch nur eine gewisse Kapazität hat“, erklärt Bours.

Begrenzte Liegekapazitäten werden zum Engpass

Obwohl zahlreiche Unternehmen im Hafengebiet angesiedelt sind, stehen laut der Duisburger Hafen AG nur begrenzte frei verfügbare Liegeflächen zur Verfügung. Hinzu kommt die wachsende Größe moderner Binnenschiffe.

Während in den 1980er-Jahren Schiffe mit rund 80 Metern Länge und acht Metern Breite üblich waren, erreichen große Einheiten heute Längen von 135 Metern und Breiten von 17,50 Metern. Dadurch können an vielen Stellen deutlich weniger Schiffe gleichzeitig festmachen als damals: Wo früher 4, 5 oder 6 Schiffe gelegen hätten, liege heute nur noch eines, sagt der Hafenmeister. 

Pegel Ruhrort unterschreitet bisherigen Niedrigwasserrekord

Für die Binnenschifffahrt ist der Pegel Ruhrort von zentraler Bedeutung. Die Messstelle befindet sich an einer wichtigen Einfahrt des Duisburger Hafens und liefert die Grundlage für Berechnungen zur Befahrbarkeit des Rheins. Dadurch wissen Schifffahrt und Hafen, wie tief die Fahrrinne ist und wie viel Ladung sie aufnehmen dürfen, um nicht auf Grund zu laufen.

Normalerweise liegt der Wasserstand dort laut Bours zwischen drei und fünf Metern. In der Schifffahrt bezeichnet «Wasserstand» den Wert an einem bestimmten Pegel, nicht die Fahrrinnentiefe. Beim bisherigen offiziellen Niedrigwasserrekord am 23. Oktober 2018 wurde im Tagesdurchschnitt ein Wert von 1,53 Metern gemessen.

Im aktuellen Niedrigwasser fiel der Pegel nach vorläufigen Angaben zeitweise bereits auf 1,26 Meter und lag damit deutlich unter dem bisherigen Rekordwert. Ob daraus ein neues offizielles „Niedrigstes Niedrigwasser“ (NNW) wird, prüft das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein noch in einem gesonderten Verfahren.

Wenige Zentimeter entscheiden über Weiterfahrt oder Stillstand

Wie kritisch die Lage derzeit ist, zeigt sich bei den zulässigen Tiefgängen. Beim Pegelstand von 1,26 Metern betrug die Wassertiefe am Pegel Ruhrort noch 1,79 Meter. Da zusätzlich ein Sicherheitsabstand von 30 Zentimetern zum Flussboden eingehalten werden muss, durften Schiffe nur einen Tiefgang von maximal 1,49 Metern aufweisen.

Nach Angaben von Bours warten deshalb derzeit rund zehn Schiffe im Duisburger Hafen auf bessere Bedingungen. Es gehe um Zentimeter: „Das ist gerade wirklich sehr, sehr kritisch“, sagt der Hafenmeister. „Komme ich da hin oder komme ich da nicht hin?“

Güter werden verstärkt auf Bahn, Lkw und kleinere Schiffe verlagert

Auch Joachim Holstein, Konzernbevollmächtigter Binnenschifffahrt der Betreibergesellschaft Duisburger Hafen AG, beschreibt die Lage als angespannt. Aufgrund der jüngsten Niederschläge rechnet er jedoch mit einer vorsichtigen Erholung, deutlich mehr Entspannung der Situation erwartet er gegen Ende September.

Man habe in Duisburg den Vorteil, dass der Hafen derzeit auch von großen Schiffen noch angefahren werden könne, sagt Holstein. "Sie kommen aber nicht mehr weiter Richtung Köln oder Richtung Mannheim oder noch weiter Richtung Basel." 

Nach seiner Einschätzung transportieren viele Schiffe aktuell nur noch etwa 20 Prozent ihrer üblichen Ladungsmenge. Die Güter werden deshalb an den Terminals verstärkt auf kleinere Schiffe, die Bahn oder den Straßentransport umgeschlagen.

Container aus den Regionen am Mittel- und Oberrhein gelangen derzeit vermehrt per Zug oder Lastwagen nach Duisburg und werden dort auf Schiffe in Richtung der Seehäfen Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam verladen.

Der Rhein spielt eine wichtige Rolle für den Güterverkehr in Deutschland: Rund 80 Prozent des gesamten deutschen Binnenschiffsgüterverkehrs werden über Deutschlands größten Fluss abgewickelt. 

Um die Supply Chains aufrecht zu erhalten, wurden neben den Sonn- und Feiertags-Fahrverboten auch die Regeln für Schwerlasttransporte gelockert.

Duisburger Hafen erwartet stabile Entwicklung

Die wirtschaftlichen Folgen des Niedrigwassers lassen sich derzeit noch nicht abschließend bewerten. Zwar steigt die Zahl der Schiffsbewegungen deutlich, die transportierte Gesamttonnage erhöht sich jedoch nicht.

„Wir können einigermaßen froh sein, dass wir arbeiten können“, sagt Holstein.

Nach Angaben des Hafenmanagers gelingt es derzeit, gestörte Lieferketten durch alternative Transportlösungen zu ersetzen. "Das heißt, die Beschäftigung ist da. Die Auswirkungen an der Stelle sind vielleicht dann nicht so gravierend, wie es vielleicht für einen süddeutschen Hafen ist." Deshalb erwartet die Duisburger Hafen AG, insgesamt „einigermaßen stabil durch diese Phase“ zu kommen.

Hafen fordert Ausbau der Wasserstraße

Mit Blick auf die Zukunft sieht Holstein politischen Handlungsbedarf. Aus seiner Sicht müsse die geplante Vertiefung von Mittel- und Niederrhein vorangetrieben werden. Zudem spricht er sich für die weitere Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe sowie für eine langfristig gesicherte Finanzierung der Binnenschifffahrt aus.

Eine Prognose des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein ging zuletzt davon aus, dass der Pegel Ruhrort bis Sonntagmorgen auf 1,70 Meter steigen könnte. Trotz der erwarteten Erholung bleibt die Niedrigwasserlage auf dem Rhein jedoch weiterhin eine Herausforderung für Schifffahrt, Häfen und Logistikketten.


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