Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) hat ein Arbeitgeberangebot des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) zurückgewiesen. Grundlage der Entscheidung sei laut Gewerkschaft eine Befragung unter den Beschäftigten, an der sich nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 6.100 Arbeitnehmer beteiligt haben. Eine deutliche Mehrheit hält das Angebot der Arbeitgeber demnach für nicht ausreichend.
„Die Haltung der Kolleginnen und Kollegen ist überaus deutlich geworden“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Sylvi Krisch. „Sie wollen ein klar verbessertes Angebot sehen und sind bereit, dafür Druck zu machen – wenn nötig, mit Streiks.“
Update:Inzwischen hat Verdi Warnstreiks an sechs Seehäfen ausgerufen: Betroffen sind Betriebe an den Standorten Hamburg, Bremerhaven, Bremen, Wilhelmshaven, Emden und Brake – gestreikt wird bereits ab Beginn der Nachtschicht an diesem Montagabend, dem 17. August, und das für 24 Stunden.Mehr als 11.000 Beschäftigte von Tarifrunde betroffen
Betroffen von den Verhandlungen sind rund 11.000 Beschäftigte in den Seehäfen Hamburg, Bremen, Bremerhaven, Emden, Brake und Wilhelmshaven. Die erste Verhandlungsrunde hatte im Juli in Bremen begonnen.
Verdi hatte einen mindestens um 2,50 Euro erhöhten Stundenlohn gefordert, bei einer Gesamtforderung von 8,2 Prozent mehr. Zudem soll der neue Tarifvertrag nach Vorstellung der Gewerkschaft eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.
Arbeitgeber bieten 5,1 Prozent mehr Lohn
Der ZDS hat sein ursprüngliches Angebot in der zweiten Verhandlungsrunde erhöht. Vorgesehen sind unter anderem höhere Stundenlöhne um 5,1 Prozent, ein um 300 Euro angehobenes Urlaubsgeld sowie eine Erhöhung der A-Pauschale um 460 Euro.
Nach Darstellung der Gewerkschaft stößt das Angebot dennoch auf breite Ablehnung. Vor allem die vorgesehene Laufzeit von 19 Monaten werde von vielen Beschäftigten kritisch gesehen, wie Verdi mitteilt.
Laufzeit bleibt zentraler Streitpunkt
Nach Angaben von Verdi entspricht eine Laufzeit von zwölf Monaten der bisherigen Branchenpraxis. Die Gewerkschaft argumentiert zudem, dass ein höheres Urlaubsgeld die unteren Entgeltgruppen weniger entlaste als dauerhaft höhere Stundenlöhne.
„Die Beschäftigten wollen gerade für die unteren Lohngruppen eine deutlich spürbare Erhöhung pro Monat“, betonte Sylvi Krisch.
Gewerkschaft drängt auf neue Verhandlungen
Ein dritter Verhandlungstermin steht bislang noch nicht fest. Verdi signalisiert jedoch weiterhin Gesprächsbereitschaft.
„Wir wollen weiter verhandeln, möglichst rasch, und warten nur auf ein entsprechendes Signal der Arbeitgeber“, sagte Krisch.
Warnstreiks in deutschen Häfen möglich
Gleichzeitig erhöht die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeberseite. Nach Angaben der Verhandlungsführung könnten bereits ab der kommenden Woche Warnstreiks in den deutschen Seehäfen stattfinden.
Der ZDS kritisierte die Ablehnung seines Angebots. „Die Ablehnung dieses Angebots verkennt aus Sicht des ZDS die gegenwärtige wirtschaftliche Realität“, teilte der Verband mit, wie die dpa vermeldet.
(Dieser Artikel wurde am 17.08.2026 um 16:42 Uhr aktualisiert.)