Binnenschifffahrt fordert weitergehende Infrastrukturlösungen

02.10.2026 11:42 Uhr | Lesezeit: 2 min
Binnenschifffahrt fordert weitergehende Infrastrukturlösungen
Die MSG eG und Bavaria Schifffahrts- und Speditions-AG appellieren an Bund, Länder und die zuständigen Infrastrukturbetreiber, die Anpassung der Wasserstraßen an die klimatischen Veränderungen zügig voranzutreiben. 
©Foto: Anja Bach

Am 1. Oktober fiel der Pegel Kaub auf minus 6 Zentimeter und erreichte damit einen neuen historischen Tiefststand. Die anhaltende Niedrigwasserlage am Rhein stellt die Binnenschifffahrt und ihre Kunden vor außergewöhnliche Herausforderungen. Mit angepassten Beladungen, zusätzlichem Schiffsraum und hohem operativem Einsatz hält die Branche die Transporte wo möglich weiterhin aufrecht.

So beispielweise die MSG eG, Würzburg: Eine Seeschiffsladung mit 4.600 Tonnen für Nürnberg, die sie ab dem 21. September im Hafen Rotterdam übernommen hatte, mussten auf 14 Güterbinnenschiffe (GMS) verteilt werden. Unter normalen Wasserstandbedingungen wären laut MSG für diese Menge lediglich drei GMS erforderlich. 

„Unsere Mannschaften, unsere Disposition und unsere Flotte tun alles, um die Lieferketten unserer Kunden auch unter diesen extremen Bedingungen so weit wie möglich aufrechtzuerhalten“, sagt Martin Staats, Vorstand der MSG eG. Aktuell werde jedoch auch sichtbar, welche wirtschaftlichen Belastungen das Niedrigwasser für Kunden, Reedereien und die gesamte Versorgungskette mit sich bringe. Denn auch wenn Anpassungsmaßnahmen bei extremen Pegelständen weiterhin Transporte ermöglichen, könne eine dauerhaft verlässliche Infrastruktur damit trotzdem nicht ersetzt werden. „Die bislang vorgesehene Mittelrheinoptimierung allein wird nicht ausreichen, um den Rhein langfristig klimaresilient und leistungsfähig zu halten“, so Staats. „Wenn wir ein wirksames Wassermanagement betreiben und Wasser in den Flüssen halten wollen, werden wir um Schleusenlösungen nicht herumkommen.“ 

Andreas Dicke, Vorstand der Bavaria Schifffahrts- und Speditions-AG, Stockstadt, ergänzt: „Auf der bayerischen Donau erleben wir seit Jahren, wie stark volatile Wasserstände die Planbarkeit von Transporten beeinträchtigen. Eine vergleichbare Entwicklung darf am Rhein nicht zur Normalität werden. Weitergehende wasserbauliche Maßnahmen und ein langfristig angelegtes Wassermanagement dienen nicht allein der Schifffahrt und ihren Kunden. Sie leisten auch einen Beitrag zur Stabilisierung des Grundwasserhaushalts und damit zum Umwelt- und Ressourcenschutz.“

MSG und Bavaria appellieren daher an Bund, Länder und die zuständigen Infrastrukturbetreiber, die Anpassung der Wasserstraßen an die klimatischen Veränderungen zügig voranzutreiben. Denn damit die Binnenschifffahrt ihre Aufgaben auch in künftig häufigeren Niedrigwasserperioden erfüllen kann, braucht sie Wasserstraßen, die klimaresilient, planbar und ausreichend leistungsfähig sind.

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