Zum 15. Mal lud der Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen (GvSH) zum Maritimen Parlamentarischen Frühstück in die Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin ein. Ehrengast war Susanne Henckel, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein. Rund 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Bundestag, Bundesministerien, Wirtschaft und Verbänden folgten der Einladung.
Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland mit Zugang zu zwei Meeren – Nord- und Ostsee – und verfügt über eine heterogene Hafenlandschaft mit unterschiedlichen Funktionen und Spezialisierungen. Der Nord-Ostsee-Kanal als zentrale Wasserstraße verbindet die Häfen direkt mit den internationalen Seewegen und verstärkt ihre Bedeutung als logistische Drehscheiben in unmittelbarer Verbindung zur Hamburger Metropolregion.
Investitionen sind Bundesaufgabe
Der GvSH betonte: Die Häfen übernehmen Aufgaben von nationaler Tragweite – für Versorgungssicherheit, Energie, industrielle Transformation durch Dekarbonisierung und Verteidigungsfähigkeit. Investitionen in Wasserstraßen, Straßen- und Schienenanbindungen sowie in die (Energie-)Infrastruktur der Häfen sind zwingend erforderlich.
Frank Schnabel, Vorstandsvorsitzender des GvSH und Geschäftsführer von Brunsbüttel Ports, sagte: „Unsere Häfen sind nicht nur Drehkreuze der maritimen Logistik im echten Norden, sie sind systemrelevante Infrastrukturen für ganz Deutschland. Sie sichern die Versorgung mit Energie und Rohstoffen und tragen zukünftig zur Dekarbonisierung der Industrie bei. Darüber hinaus leisten sie einen Beitrag zur nationalen Sicherheit, insbesondere im militärischen Bereich. Wenn die Häfen nationale Aufgaben übernehmen, dann muss sich auch der Bund an der Finanzierung der Modernisierung und des Infrastrukturausbaus beteiligen – das ist keine rein landespolitische Aufgabe. Nur so können die Häfen ihre wachsende Verantwortung für Versorgung, Industrie und Sicherheit langfristig erfüllen.“
„Abgesehen davon, dass Seehäfen die Scharniere jeder Volkswirtschaft sind, zeigen die Sicherheits- und Energiekrisen der letzten Jahre, wie wichtig eine leistungsfähige Infrastruktur für den Import von Energieträgern ist. Wir sind zudem gut beraten, unsere Häfen für das Funktionieren militärischer Transporte vorzuhalten und diese kritische Infrastruktur auch wirkungsvoll zu schützen. Aus dem Sondervermögen des Bundes werden wir 140 Millionen Euro in die Instandsetzung und Ausbau der Hafeninfrastruktur investieren – von Lübeck über Kiel bis nach Hörnum auf Sylt“, sagte Verkehrsstaatssekretärin Susanne Henckel.
Bei einem geschätzten Gesamtbedarf von rund 1,5 Milliarden Euro sei das zwar mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, könne aber nur der Anfang sein. „Im Schulterschluss mit den anderen vier Küstenländern bleiben wir bei unserer Forderung gegenüber dem Bund, die Unterstützung für die Länder von derzeit 38,5 Millionen Euro jährlich mindestens zu verzehnfachen, damit die Seehäfen auch in Zukunft ihre nationalen Aufgaben erfüllen können", so Henckel.
Energie, Dekarbonisierung und Sicherheit
Die Häfen sichern die nationale Energieversorgung – heute mit dem Import von LNG am Standort Brunsbüttel, perspektivisch mit Wasserstoff und dessen Derivaten. Darüber hinaus gewinnen Projekte zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO2 (CCUS) zunehmend an Bedeutung. Sie sind ein wichtiger Schlüssel zur Dekarbonisierung der Industrie. Die Häfen können hierbei eine zentrale Rolle als logistische Drehscheiben für den Export von CO2 einnehmen.
Neben der Energieversorgung gewinnt eine weitere Aufgabe spürbar an Bedeutung: die militärische Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas. Insbesondere im RoRo-Bereich (Roll-on/Roll-off) kommt den Häfen eine strategische Rolle beim schnellen Umschlag von Fahrzeugen und militärischem Gerät zu. In einer angespannten geopolitischen Lage sind leistungsfähige Hafen- und Hinterlandanbindungen ein unverzichtbarer Bestandteil der nationalen Sicherheitsarchitektur.
Umschlagsergebnis 2025: Stabilität in herausfordernden Zeiten
Im Jahr 2025 wurden an den schleswig-holsteinischen Hafenstandorten insgesamt 52,8 Millionen Tonnen Ladung umgeschlagen. Dies entspricht einer stabilen Entwicklung gegenüber dem Vorjahr (plus 0,3 Prozent). Die Zahl der abgefertigten Passagiere lag bei 12,7 Millionen (plus 0,5 Prozent im Vergleich zu 2024).
In einem weiterhin anspruchsvollen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfeld belegen diese stabilen Zahlen die Leistungsfähigkeit und Resilienz der schleswig-holsteinischen Hafenstandorte. Diese Stabilität ist die beste Voraussetzung dafür, dass die breit aufgestellten Häfen ihre neuen und erweiterten Aufgaben in Energieversorgung und -transformation sowie in der Verteidigungsfähigkeit verlässlich erfüllen können.