Der deutsche Seeverkehr hat sich im Jahr 2025 deutlich erholt. Trotz einer schwachen Exportentwicklung legte der Gesamtumschlag um 3,6 Prozent beziehungsweise rund 10 Millionen Tonnen zu. Treiber dieser Entwicklung war vor allem der Containerverkehr, der von höheren Importen und einer stabilen Nachfrage bei Konsum- und Industriegütern profitierte. Auch die Güterabteilungen „Maschinen und Ausrüstungen, langlebige Konsumgüter“ sowie „Konsumgüter zum kurzfristigen Verbrauch, Holzwaren“ entwickelten sich positiv.
Für das laufende Jahr 2026 erwartet das Bundesamt für
Logistik und Mobilität (BALM) ein weiteres Wachstum, allerdings deutlich abgeschwächt. Der Gesamtumschlag im Seeverkehr soll nur noch um 0,5 Prozent zulegen. Belastend wirken vor allem die geopolitischen Spannungen. Seit Beginn des Iran‑Kriegs wird der internationale Seeverkehr durch die Blockade der Straße von Hormus sowie durch die Umfahrung des Suezkanals und des Roten Meeres beeinträchtigt. Viele Schiffe weichen auf die Route um das Kap der Guten Hoffnung aus, was Transportzeiten verlängert und Kosten erhöht.
Bei den Massengütern verlief die Entwicklung dagegen gemischt. Während der Umschlag von Kohle leicht zunahm und sich die Erdgasimporte – unter anderem durch zusätzliche LNG‑Kapazitäten – erhöhten, gingen die Rohöleinfuhren deutlich zurück. In der Gesamtbetrachtung überwogen dennoch die Zuwächse, sodass der Seeverkehr 2025 zu den wachstumsstärkeren Verkehrsträgern zählte.
Zwar dürfte eine erwartete Belebung des Außenhandels den Containerverkehr weiterhin stützen, insgesamt rechnet das BALM jedoch mit einem gedämpften Jahresergebnis. Rückgänge prognostizieren die Gutachter insbesondere bei Rohöl sowie bei land‑ und forstwirtschaftlichen Gütern. Zuwächse bei Erdgas können diese Verluste voraussichtlich nicht vollständig ausgleichen.
Im mittelfristigen Ausblick bis 2029 fallen die Erwartungen wieder günstiger aus. Für den Seeverkehr wird ein durchschnittliches Wachstum von 1,6 Prozent pro Jahr prognostiziert. Hauptimpulsgeber bleibt der Containerverkehr, der von steigenden Importen und einer allmählichen Erholung der Exporte profitieren soll. Positiv dürfte sich zudem die Entwicklung bei Baustoffen auswirken, während der Umschlag landwirtschaftlicher Güter weiter rückläufig bleibt.
Bis zum Jahr 2029 soll der deutsche Seeverkehr damit erstmals wieder das Vorkrisenniveau von 2019 erreichen. Damit gehört der Seeverkehr zu den wenigen Verkehrsträgern, die den pandemiebedingten Einbruch vollständig ausgleichen können.