Reedereien zeigen Interesse an Bundesflagge

20.07.2026 14:18 Uhr | Lesezeit: 3 min
Kapitän Zbigniew Michalewski, seit 1986 auf den Weltmeeren unterwegs, hier zusammen mit Gerrit Krause
Die Lidl-Reederei Tailwind hatte im Juni angekündigt, eines ihrer Schiffe werde künftig unter deutscher Flagge fahren
© Foto: Tailwind Shipping Lines

Mehrere Schifffahrtsunternehmen haben Interesse signalisiert, Schiffe unter der Bundesflagge fahren zu lassen. Bisher ist deren Zahl jedoch eher klein.

„Wir sind mit einem Dutzend Reedereien in Gesprächen“, sagte der Leiter der Abteilung Schifffahrt in Deutschlands zentraler maritimer Behörde BSH, Jörg Kaufmann. Namen von Schifffahrtsunternehmen wollte Kaufmann nicht nennen. Es handle sich um einen „Querschnitt“ der Branche. Gesprochen werde mit Containerreedereien und Schifffahrtsunternehmen, die Massen- und Stückgüter transportierten. 

Lidl-Reederei will unter deutscher Flagge fahren

Die Lidl-Reederei Tailwind hatte im Juni angekündigt, das Containerschiff „Panda 001“ werde künftig unter deutscher statt portugiesischer Flagge fahren. Bis Mitte 2028 sollen sieben eigene Schiffe, darunter fünf Neubauten, unter deutscher Flagge unterwegs sein, wie ein Sprecher sagte. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) ist an einer Reform beteiligt, die die Attraktivität der deutschen Flagge steigern soll. Stand Ende Juni fuhren 395 Seeschiffe unter deutscher Flagge. Das waren allerdings weniger als zu Jahresbeginn. Nahezu unverändert fuhren 1422 unter ausländischer Flagge.

Deutsche Flagge international konkurrenzfähig

Das internationale Seerechtsübereinkommen regelt, dass Schiffe unter der Flagge eines einzigen Staates fahren müssen. Deutsche Seeschiffe müssen nach nationalem Recht grundsätzlich unter der Bundesflagge fahren. Das Flaggenrechtsgesetz erlaubt Ausnahmen, die es ermöglichen, befristet eine andere Nationalflagge zu nutzen. Die deutschen Behörden konkurrieren deshalb weltweit mit Behörden anderer Staaten um Reedereien. Dass die deutsche Flagge zu teuer sei, sei ein „altes Vorurteil“, kritisierte Kaufmann. Man sei „kostenmäßig konkurrenzfähig – es weiß nur nicht jeder“, sagte er der „Deutschen Presse-Agentur“.

Zentrale Beratungsstelle für Reeder

Die Reform der Flaggenstaatsverwaltung leitete den BSH-Angaben zufolge gegen Ende 2023 das Bundesverkehrsministerium ein. Seitdem ist eine zentrale Beratungsstelle namens „Service-Team Deutsche Flagge“ eingerichtet worden, die rund um die Uhr erreichbar sei und Fragen der Reeder beantworte. Informationen bieten die Behörden zudem über ein zentrales Internetportal an. Allerdings gibt es weiter keine zentrale Behörde, die für die Flaggenverwaltung zuständig ist. Die Aufgaben teilen sich das BSH, die Berufsgenossenschaft Verkehr, die Bundesnetzagentur und die Amtsgerichte, die die Register führen.

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