Die Bundeswehr wird in Emden einen zweiten Marinehafen an der Nordseeküste errichten, teilt die dpa mit. Verteidigungsminister Boris Pistorius und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (beide SPD) unterzeichneten dazu in der ostfriesischen Hafenstadt eine Absichtserklärung.
Milliardeninvestition und bis zu 2.000 Dienstposten geplant
Für den Aufbau des Marinehafens in Emden ist nach Angaben von Pistorius eine Investition in Milliardenhöhe vorgesehen. Der Stützpunkt soll möglichst Anfang der 2030er Jahre fertiggestellt werden. Langfristig könnten bis zu 2000 Dienstposten entstehen.
Als entscheidende Standortvorteile nannte der Minister die verfügbaren Flächen sowie die gute Erreichbarkeit des Atlantiks.
Zweiter Marinehafen soll Marine flexibler machen
Mit dem neuen Stützpunkt erhält die Marine neben Wilhelmshaven einen weiteren Hafen an der Nordsee. Nach Angaben von Pistorius erweitert dies die militärischen Handlungsmöglichkeiten. „Damit sind wir im Ernstfall schwerer ausrechenbar und erhöhen unsere operativen Möglichkeiten. Darauf kommt es letztlich an“, sagte Pistorius.
Zugleich erklärte der Verteidigungsminister: „Emden wird wieder Standort der deutschen Marine.“ Aktuell sei die Marine die kleinste in der Geschichte der Bundeswehr, obwohl sie gleichzeitig die größten und umfangreichsten Aufgaben erfüllen müsse. "Also muss die Marine wachsen, und das wird sie."
Bereits bis 1997 befand sich in Emden ein Marinestützpunkt. Heute ist Wilhelmshaven mit dem Marinestützpunkt Heppenser Groden der einzige Marinehafen der Bundeswehr an der Nordseeküste. Die Entscheidung für Emden fiel nach einer Prüfung mehrerer Küstenstandorte. Hintergrund ist der geplante Aufwuchs der Streitkräfte und der damit verbundene zusätzliche Infrastrukturbedarf der Marine.
Hafenstandort soll Wirtschaft und Region stärken
Von der Standortentscheidung erwarten Stadt und Land wirtschaftliche Impulse.
Pistorius sagte, Emden biete für den Hafen ideale Voraussetzungen. Trotzdem seien noch dicke Bretter zu bohren: "Einen neuen Marinestützpunkt gibt es nicht im Baumarkt", sagte der Minister.
Ministerpräsident Olaf Lies verwies auf die maritime Tradition Emdens sowie die vorhandenen Flächen für das Vorhaben. Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff bezeichnete die Entscheidung als „außergewöhnliche Chance“ für die Stadt. Sie sei wichtig „für unseren Hafen, für Arbeitsplätze und für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region“, erklärte Kruithoff in einer Mitteilung.
Auch der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) wertete das Vorhaben als starkes Signal: Wer Deutschland als militärische Drehscheibe Europas stärken wolle, brauche leistungsfähige Seehäfen, sagte ZDS-Chef Florian Keisinger.
Bis zu 450 Hektar Fläche für neuen Stützpunkt erforderlich
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums könnte der neue Marinehafen einen Flächenbedarf von bis zu 450 Hektar haben. Das entspricht rund 630 Fußballfeldern. Die endgültige Größe steht jedoch noch nicht fest. Nach bisherigem Stand sollen vor allem Versorgungs- und Unterstützungsschiffe in Emden stationiert werden. Konkrete Planungen zur künftigen Belegung des Stützpunkts liegen noch nicht vor.
Entstehen soll der Marinehafen auf dem sogenannten Rysumer Nacken westlich von Emden. Die Hafenerweiterungsfläche an der Ems gehört dem Land Niedersachsen und soll an den Bund verkauft werden. Für das Areal gab es bislang Überlegungen der Stadt Emden, der landeseigenen Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts) und des Landes für eine zivile Hafennutzung. Mit der Entscheidung für den Marinehafen erhält die Fläche nun eine militärische Perspektive.
Naturschützer kritisieren Pläne für Marinehafen
Kritik an dem Vorhaben kommt vom Nabu Ostfriesland. Die Naturschützer bezeichnen den Rysumer Nacken als „Hotspot der Artenvielfalt“ mit seltenen Pflanzen- und Tierarten. „Es wäre eine Schande, eine solche Perle des Naturschutzes industriellen Interessen zu opfern“, sagte die Vorsitzende Elke Dirks.
Auch bei der Bekanntgabe der Pläne demonstrierten Gegner des Projekts gegen den Bau des Marinehafens. Sie befürchten Auswirkungen auf Naturflächen und Naherholungsgebiete.
Bremerhaven unterlag im Standortvergleich
Im Rahmen der Standortsuche hatte die Marine mehrere Hafenstandorte untersucht. Dazu gehörte auch Bremerhaven, wo bereits heute militärische Güter für Truppenverlegungen und Übungen umgeschlagen werden. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte erklärte enttäuscht, die Entscheidung zugunsten Emdens sei letztlich aus militärisch-strategischen Gründen getroffen worden.
Wilhelmshaven bleibt wichtigster Marine-Standort
Unabhängig vom Neubau in Emden bleibt Wilhelmshaven der größte Bundeswehr-Standort Deutschlands. Dort befinden sich neben dem Marinestützpunkt unter anderem ein Marinearsenal und zentrale Logistikeinrichtungen. Am Standort ist die Einsatzflottille 2 stationiert - einer von drei Großverbänden der Marine. Zu ihr gehören unter anderem Fregatten, Einsatzgruppenversorger und Flottentanker.