Die jüngst als Abteilung des Vereins Binnenschifferforum hilft wiedergegründete Europäische Vereinigung der Binnenschiffer (E.V.d.B.) befürwortet das neue Förderprogramm des Bundes für „Grüne Wasserstraßen“ ausdrücklich. Die Modernisierung der Infrastruktur, die Stärkung der Resilienz und die Förderung alternativer Antriebe seien zentrale Bausteine für eine zukunftsfähige Binnenschifffahrt, heißt es in einer Pressemitteilung. Gleichzeitig weist Michael Jeske, 1. Vorsitzender des Verbandes, erneut auf eine ernste und extrem sicherheitsrelevante Problematik hin, die durch die Kritis-Einstufung vieler Öl-, Gas- und Chemiehafenanlagen weiter verschärft wird: Immer mehr Häfen dürfen Schiffe nach dem Lade- oder Löschvorgang nicht mehr über Nacht behalten. Die Schiffe müssen den Hafenbereich unverzüglich verlassen, auch dann, wenn die Besatzung ihre Ruhezeit antreten muss.
Ein großer Teil der deutschen Binnenschiffe, insbesondere der Tankschiffe, fährt nicht im 24-Stunden-Betrieb (B-Fahrt), betont Jeske. Die Besatzungen haben Anspruch und Verpflichtung auf geregelte Ruhezeiten und sollten diese in einem sicheren, geeigneten Liegeplatz verbringen können. Doch genau diese Liegeplätze fehlen laut E.V.d.B. in vielen Regionen nahezu vollständig. Die Folge sei eine konkret drohende Gefahr: Schiffsführer werden von Hafenmeistern oder der Wasserschutzpolizei aufgefordert, den Kritis-Hafen zu verlassen. In zumutbarer Entfernung gibt es keinen sicheren Nachtliegeplatz. Übermüdete Schiffsführer müssen dennoch weiterfahren. Die Wahrscheinlichkeit einer Havarie steigt dadurch laut E.V.d.B. erheblich.
Die E.V.d.B. fordert daher:
- Bundesweite Einrichtung von Kritis-Ausweichliegeplätzen in zumutbarer Entfernung von Kritis-Häfen, ausgestattet mit Landstrom, Beleuchtung und Sicherheitsinfrastruktur.
- Verbindliche Mindeststandards für Nachtliegeplätze entlang aller Hauptwasserstraßen.
- Koordinierte Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Häfen und Verbänden.
„Wir bieten unsere konstruktive Mitarbeit an. Unser Hauptaugenmerk ist es, die Sicherheit der Schiffsbesatzungen zu gewährleisten. Das Förderprogramm ist ein wichtiger Schritt, aber es muss effizient genutzt werden, denn die Gefährdungslage ist konkret“, ergänzt Jeske.