Hafen Hamburg: Landstrom für Hadag-Fähren

13.04.2026 12:23 Uhr | Lesezeit: 3 min
Vahle entwickelt bewegliche Energieversorgung im Hamburger Hafen
Sergej Nickel (l.) und Olaf Biesterfeldt von Vahle neben dem verfahrbaren Wagen des Landstromsystems auf einem schwimmenden Ponton im Hamburger Hafen.
© Foto: Vahle

Vahle hat eine bewegliche Landstromlösung für die Hadag-Fähren im Hamburger Hafen entwickelt, die eine emissionsfreie Stromversorgung während der Liegezeiten ermöglicht.

Vahle hat eine bewegliche Landstromlösung für die Fähren der Hadag Seetouristik und Fährdienst im Hamburger Hafen entwickelt. Das System ermöglicht eine emissionsfreie Stromversorgung der Schiffe während der Liegezeiten, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Systemanbieter für mobile Industrieanwendungen hat die Infrastruktur speziell für schwimmende Fähranleger der Elbe konzipiert, sodass sie Bewegungen durch Gezeiten und Strömung ausgleicht.

Aktuell sind vier Liegeplätze im Hamburger Hafen mit der neuen Landstromtechnik ausgestattet. Perspektivisch gewinnt diese Infrastruktur weiter an Bedeutung: Ab 2027 plant die Hadag den Einsatz vollelektrischer Fähren, deren Batterien während der Liegezeiten geladen werden sollen.

Die technische Umsetzung stellte besondere Anforderungen: Die Liegeplätze befinden sich auf schwimmenden Pontons, deren Position sich durch Gezeiten und Strömung ständig verändert. Dadurch variieren sowohl die Anschlusshöhe als auch der Abstand zwischen Schiff und Infrastruktur. „Wir haben deshalb ein bewegliches Energieversorgungssystem entwickelt, das den Anschluss flexibel zur jeweiligen Fähre bringt und gleichzeitig eine sichere Stromübertragung gewährleistet“, erklärt Olaf Biesterfeldt, Vertriebsmitarbeiter für Norddeutschland bei Vahle.

Technologische Grundlage

Das sogenannte „Stinger-System“ führt die Stromschiene über Kopf und verlagert sie damit aus dem Arbeitsbereich. Stolperfallen, unbeabsichtigter Kontakt mit Strom und Kollisionen werden vermieden. Ursprünglich für Wartungsbereiche von S- und U-Bahnen entwickelt, wurde die Technologie für den maritimen Einsatz auf eine leistungsfähige Drehstromversorgung umgestellt. „Drehstromsysteme können deutlich höhere Leistungen übertragen als Einphasensysteme. Das ist ideal für die Anforderungen moderner Schiffe“, erklärt Biesterfeldt.

Das entwickelte System erstreckt sich über rund 30 Meter entlang des Pontons. Ein verfahrbarer Wagen bringt den Stromanschluss exakt zur Position der jeweiligen Fähre und gleicht Bewegungen zwischen Schiff und Anleger aus. Die Hauptstromschiene überträgt Leistungen von bis zu 860 Ampere bei 400 Volt, was perspektivisch auch das Laden vollelektrischer Fähren ermöglicht. Zusätzlich zur Energieversorgung integriert die Lösung Steuer- und Datenübertragungssysteme, die einen zuverlässigen Betrieb sicherstellen.

Praktischen Handhabung im täglichen Fährbetrieb

Um das Fährpersonal zu entlasten, integrierte Vahle industrielle Balancer in das bewegliche System. Diese tragen das Gewicht der Anschlusskomponenten und ermöglichen es den Fährführerinnen und Fährführern, den Anschluss ohne großen Kraftaufwand zum Stromanschluss zu führen und dort anzukoppeln. „Das System muss im Alltag überzeugen. Die Besatzungen sollen keine schweren Kabel schleppen müssen“, sagt Sergej Nickel, Leiter Project Engineering bei Vahle.

Für die Umsetzung arbeitete Vahle eng mit dem Generalunternehmer Actemium Cegelec Mitte zusammen. Während Vahle die bewegliche Infrastruktur für die Energie-, Steuer- und Datenübertragung entwickelte und lieferte, verantwortete Actemium die übergeordnete elektrotechnische Integration sowie die Anbindung an die landseitige Energieversorgung.

Hintergrund

Die Hadag-Flotte umfasst 27 Schiffe und verbindet zentrale Knotenpunkte des öffentlichen Nahverkehrs, darunter die Landungsbrücken, Blankenese und die Elbphilharmonie. Künftig sollen die Fähren während der Liegezeiten ohne laufende Dieselgeneratoren auskommen. Die neue Infrastruktur entsteht im Rahmen des Ausbaus landseitiger Energieversorgung im Hamburger Hafen und ist Teil der langfristigen Klimastrategie des Standorts.

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