Am Schiffshebewerk Niederfinow (Landkreis Barnim) wurde an diesem Wochenende ein Stück Verkehrsgeschichte lebendig: Beim Treidelfest konnten Besucher im nachgebauten Kaffenkahn „Concordia“ die historische Technik des Treidelns erleben. Dabei wurde das Schiff nicht von Motoren angetrieben, sondern vom Ufer aus von Mulis gezogen, wie Jan Mönikes, Geschäftsführer der SHW Tourismus- und Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Niederfinow, mitteilte.
Die ersten Fahrten begannen bereits am Freitag (3.7.2026) an der Lieper Schleuse. Weitere Fahrten waren Samstag und Sonntag geplant. Hauptfesttag war der Samstag. Eine Fahrt dauert etwa 45 Minuten.
„Treideln war das Normale“
Beim Treideln ziehen Tiere – früher auch Menschen – Schiffe über Treidelpfade entlang von Kanälen und Flüssen. Gerade auf engen und windstillen Wasserstraßen wie dem Finowkanal war diese Methode über Jahrhunderte unverzichtbar. „Das Treideln war dort, wo Schiffe nicht segeln konnten, das Normale – weltweit“, so Mönikes.
Bis etwa 1960 war diese Art der Gütertransporte noch auf dem Finowkanal üblich. „Das war die Autobahn der damaligen Zeit. Alles, was wir heute über die Autobahn transportieren, wurde damals auf Schiffen transportiert“, so Mönikes.
Maultiere und Mulis galten demnach wegen ihrer Ausdauer, Trittsicherheit und Belastbarkeit als besonders geeignete Zugtiere. Auf schmalen Wegen, in unebenem Gelände und bei langen Arbeitstagen seien diese Eigenschaften entscheidend gewesen.
Kaffenkähne als Vorreiter von Lkw und Zügen
Kaffenkähne waren die Lastwagen des 18. und 19. Jahrhunderts und bis zum Ausbau des Eisenbahnnetzes das wichtigste Transportmittel für Baumaterialien. Der rund 42 Kilometer lange Finowkanal gilt als älteste noch schiffbare künstliche Wasserstraße Deutschlands. Seit über 400 Jahren verbindet er Havel und Oder und war lange eine zentrale Wirtschaftsader der Region.