Kraftstoffpreise: Bundestag verschärft Regeln und Kartellrecht

26.03.2026 09:16 Uhr | Lesezeit: 3 min
Tankanzeige mit der Preisbezeichnung teuer
Bund plant schärfere Eingriffe gegen hohe Spritpreise

Der Bundestag beschließt neue Regeln für Tankstellen und stärkt das Kartellamt. Ziel sind weniger Preissprünge und Entlastungen für Pendler und Unternehmen.

Knapp vier Wochen nach Beginn des Iran‑Kriegs und stark gestiegenen Kraftstoffpreisen stimmt der Bundestag über ein Maßnahmenpaket zur Entlastung der Verbraucher ab. Kernpunkt ist eine neue Regel für Tankstellen: Preiserhöhungen sollen künftig nur noch einmal täglich erlaubt sein – und zwar um 12.00 Uhr. Preissenkungen bleiben dagegen jederzeit möglich. Die Regelung könnte noch vor Ostern in Kraft treten, muss jedoch noch den Bundesrat passieren.

Neue Tankregel nach österreichischem Vorbild

Die schwarz‑rote Koalition orientiert sich dabei an Österreich und verspricht sich mehr Transparenz und Verlässlichkeit an der Zapfsäule. Durch die Begrenzung der Preiserhöhungen sollen kurzfristige Preissprünge eingedämmt werden. Verstöße gegen das Verbot mehrfacher Preiserhöhungen können laut Gesetzentwurf mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Nach einem Jahr ist eine Evaluation der Regelung vorgesehen.

Kartellamt soll schärfer gegen hohe Preise vorgehen

Ein weiterer Bestandteil des Pakets ist eine Verschärfung des Kartellrechts. Künftig sollen Unternehmen nachweisen müssen, dass Preissteigerungen sachlich gerechtfertigt sind. Diese Umkehr der Beweislast soll es dem Bundeskartellamt erleichtern, gegen überhöhte Spritpreise vorzugehen und den Wettbewerb auf dem Kraftstoff‑Großhandelsmarkt zu stärken.

Zweifel an der preisdämpfenden Wirkung

Umstritten bleibt, ob die neue Tankregel tatsächlich zu dauerhaft niedrigeren Preisen führt. Der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap erklärte in einer Stellungnahme für eine Anhörung im Bundestag, die Regel könne zwar den Preisvergleich erleichtern, eine nachhaltige Senkung der Preise sei jedoch nicht sicher.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hatte zuvor auf die extreme Volatilität der Preise hingewiesen. Im Durchschnitt melde eine Tankstelle rund 20 Preisänderungen pro Tag, in Einzelfällen sogar bis zu 50. Dadurch verlierten Preisvergleichs‑Apps erheblich an Aussagekraft.

Kritik von Tankstellenverband und Industrie

Der Bundesverband Freier Tankstellen verwies darauf, dass ein wesentlicher Grund für die im europäischen Vergleich hohen Kraftstoffpreise in Deutschland politisch festgelegte Kostenbestandteile seien – darunter Energiesteuer, CO₂‑Bepreisung und Mehrwertsteuer.

Kritik kommt auch aus der Industrie. Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnt vor weitreichenden Eingriffen in das Wettbewerbsrecht. Das Kartellamt erhalte faktisch erhebliche Befugnisse zur Marktgestaltung.

Weitere Entlastungen für Pendler im Gespräch

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) signalisierte im Bundestag Offenheit für zusätzliche Maßnahmen. Das beschlossene Paket werde nicht ausreichen, um die Preise auf ein für Verbraucherinnen und Verbraucher verträgliches Niveau zu senken.

Am Freitag tagt eine von den Koalitionsfraktionen eingesetzte Taskforce unter Leitung von SPD‑Fraktionsvize Armand Zorn und Unionsfraktionschef Sepp Müller. Diskutiert werden unter anderem eine befristete Senkung der Energiesteuer, eine höhere Pendlerpauschale, ein Preisdeckel für Benzin und Diesel sowie mögliche Entlastungen bei der Lkw‑Maut.

Debatte um Übergewinnsteuer

Auch eine sogenannte Übergewinnsteuer steht erneut zur Debatte. Dabei handelt es sich um eine Sonderabgabe auf kriegsbedingte Zusatzgewinne der Mineralölkonzerne. Ein solches Instrument war bereits nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 zeitweise eingeführt worden – offiziell unter dem Namen „EU‑Energiekrisenbeitrag“.

Deutsche Umwelthilfe fordert 'Tempolimit jetzt!'

Ein Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen und 80 km/h außerorts kann bis zu 4,7 Milliarden Liter Kraftstoff pro Jahr einsparen und damit die deutsche Abhängigkeit von Öl-Importen deutlich reduzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Berechnung der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Demzufolge spart ein solches Tempolimit nicht nur 11,7 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr, sondern auch bis zu 2,7 Milliarden Liter Benzin und 2 Milliarden Liter Diesel. Bei einem Kraftstoffverbrauch von 53,7 Millionen Tonnen im Jahr 2024 entspricht das einer Einsparung von knapp 7 Prozent. Vergangene Woche hatte die Internationale Energieagentur ihren Mitgliedsstaaten empfohlen, aufgrund der Ölkrise vorhandene Tempolimits abzusenken, um Kraftstoff zu sparen.



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