IHKs veröffentlichen Umfrage zu Niedrigwasser-Auswirkungen

05.08.2026 15:21 Uhr | Lesezeit: 2 min
Niedrigwasser
78 Prozent der Unternehmen, die an der IHK-Umfrage teilgenommen haben, melden höhere Kosten aufgrund des Niedrigwassers. 
© Foto: Bischi

Historische Niedrigwasserstände setzen der Wirtschaft entlang des Rheins zunehmend zu. Laut einer IHK-Umfrage sind bereits drei Viertel der Unternehmen betroffen – mit weiter steigender Tendenz.

Bundesweit zeigen die Pegel historische Tiefstände an. Die Wirtschaft meldet Notstand, zeigt eine Umfrage der IHKs entlang des Rheins. Drei Viertel der Unternehmen sind vom Niedrigwasser betroffen, Tendenz steigend. Die IHKs fordern 2,5 Milliarden Euro jährlich für die Wasserstraße. Sie unterstützen die Idee von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer für eine Niedrigwasser-Taskforce.

„Was noch vor Wochen auf ein Binnenschiff passte, muss heute aufgeteilt werden. Lieferketten geraten unter Druck, Transporte werden teurer. Unternehmen weichen vermehrt auf Straße und Schiene aus. Aber dafür sind die Gütermengen zu groß“, sagt Werner Schaurte-Küppers, Präsident der Niederrheinischen IHK. Und weiter: „Diese Situation kam mit Ansage. Seit dem letzten Extrem-Niedrigwasser 2018 ist zu wenig passiert. Wirtschaft und Verbraucher zahlen jetzt die Rechnung. Kurzfristig hoffen wir auf Niederschlag. Langfristig braucht der Wirtschaftsstandort eine krisenfeste Wasserstraße. Dafür werden Milliarden benötigt und der notwendige politische Willen. Wir unterstützen den Vorschlag von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer einer Niedrigwasser-Taskforce. Bund, Länder, Wirtschaft und Häfen müssen gemeinsam handeln. Erreichbar zu sein, ist das A und O für unsere Wirtschaft.“

„Niedrigwasser ist kein regionales Problem. Es ist ein Risiko für industrielle Lieferketten und die wirtschaftliche Entwicklung in ganz Deutschland und darüber hinaus“, verdeutlicht Davor Sertic, Präsident der Union Europäischer Industrie- und Handelskammern für Verkehr und Mobilität (UECC). Er erklärt: „Gerade für den Rhein sind schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren nötig, um die Fahrrinne zu optimieren. Auch weitere Maßnahmen aus dem Aktionsplan Niedrigwasser Rhein muss der Bund konsequent umsetzen – wie die Förderung von Schiffen mit geringem Tiefgang.“

Drei Viertel der Unternehmen betroffen

Die IHK-Umfrage zeigt das Ausmaß des Rhein-Rekordtiefs: 78 Prozent der Unternehmen melden höhere Kosten. 72 Prozent müssen ihre Logistikprozesse umstellen. Fast jedes dritte Unternehmen schränkt bereits die Produktion ein, sechs Prozent haben Produktionsprozesse gestoppt. 13 Prozent sehen die Existenz ihres Standortes gefährdet.

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei den Logistikkosten: Gut die Hälfte der Unternehmen verzeichnet einen Anstieg um mindestens 25 Prozent. Bei knapp einem Drittel sind die Logistikkosten um 50 Prozent oder mehr gestiegen. Besonders anfällig für Einschränkungen auf dem Rhein sind rohstoff- und transportintensive Branchen. Entlang des Flusses befinden sich bedeutende Standorte der Stahl-, Chemie-, Mineralöl-, Maschinenbau- sowie Getreide- und Futtermittelwirtschaft. Diese Unternehmen sind auf den zuverlässigen Transport großer Gütermengen angewiesen.

Das Niedrigwasser könnte auch künftige Logistik- und Investitionsentscheidungen beeinflussen. Rund ein Drittel will künftig weniger Güter mit dem Schiff transportieren lassen. Rund ein Viertel plant, die Lagerhaltung anzupassen.

IHKs fordern 2,5 Milliarden für Wasserstraße

Die IHKs fordern höhere Investitionen des Bundes in die Wasserstraßen. „Es sind jährlich 2,5 Milliarden Euro nötig, also mehr als eine Milliarde mehr als aktuell. Ziel ist es, damit die Wasserstraße zu modernisieren, die Fahrrinne des Rhein zu optimieren und Forschung voranzutreiben. Das ist gut angelegtes Geld. 2018 dämpfte das Niedrigwasser die deutsche Industrieproduktion zeitweise um rund 1,5 Prozent“, so Fabian Griewel, Verkehrsexperte der Niederrheinischen IHK. Nach Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft kostete es Deutschland rund 0,4 Prozentpunkte Wirtschaftsleistung. Auch dieses Jahr drohen erneut erhebliche gesamtwirtschaftliche Schäden, so die IHKs am Rhein.

Hintergrundinformationen zur Umfrage: Die Unternehmensbefragung der IHKs entlang des Rheins wurde vom 29. Juli bis zum 4. August durchgeführt. Beteiligt haben sich deutlich über 150 Unternehmen aus allen Rheinabschnitten und sämtlichen Größenklassen. Mehr als drei Viertel der teilnehmenden Betriebe stammen aus den Bereichen Logistik sowie Industrie.

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