Die Hafen- und Logistikwirtschaft im Bundesland Bremen bewertet ihre Geschäftsaussichten besser als im Vorjahr: 46 Prozent der Unternehmen erwarten für 2026 steigende Umsätze (Vorjahr: 32 Prozent). Das geht aus einer Blitzumfrage der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung (BHV) hervor, deren Ergebnisse der Verband am 3. November 2026 veröffentlicht hat. An der Online-Befragung im Oktober beteiligten sich 72 Mitgliedsunternehmen.
Für 79 Prozent der Befragten gehören Infrastruktur und Erreichbarkeit zu den wichtigsten Aufgaben des nächsten Senats. Mit Blick auf die Bürgerschaftswahl 2027 erwartet die BHV konkrete Entscheidungen zur Modernisierung der Verkehrswege und Hafenanlagen. „Wir brauchen klare Prioritäten, verbindliche Zeitpläne und eine gesicherte Finanzierung der notwendigen Investitionen“, sagt Eduard Dubbers-Albrecht, Sprecher des BHV-Präsidiums. Planungs- und Genehmigungsverfahren müssten nach seinen Worten sowohl für staatliche als auch für private Investitionen beschleunigt werden.
Straßen und Brücken mit größtem Verbesserungsbedarf
67 Prozent der Unternehmen sehen bei der Straßen- und Brückeninfrastruktur besonders großen Verbesserungsbedarf. Es folgen Hafenanlagen und Kajen mit 35 Prozent sowie die Weseranpassung und die nautische Erreichbarkeit mit 23 Prozent. Als wichtigste Aufgaben des nächsten Senats nennen die Befragten nach Infrastruktur und Erreichbarkeit (79 Prozent) Hafeninvestitionen und Hafenfinanzierung (52 Prozent) sowie bessere Wettbewerbs-, Investitions- und Standortbedingungen (31 Prozent).
Auch den Bund sehen die Unternehmen in der Pflicht: Drei Viertel der Befragten halten seine finanzielle Beteiligung an den Investitionen in die deutschen Seehäfen für zu gering. Der Bund müsse seiner gesamtstaatlichen Verantwortung bei der Finanzierung der Hafeninfrastruktur stärker gerecht werden, fordert Dubbers-Albrecht. Die Küstenländer dürften mit diesen Aufgaben nicht allein gelassen werden.
Hafenwirtschaft erwartet mehr Umsatz und Personal
Neben den 46 Prozent mit steigenden Umsatzerwartungen rechnen 26 Prozent der Unternehmen mit einer gleichbleibenden Entwicklung, 28 Prozent mit sinkenden Erlösen. Bei der Beschäftigung erwarten 39 Prozent steigende Mitarbeiterzahlen, 45 Prozent eine gleichbleibende Belegschaft und 16 Prozent einen Rückgang.
„Mehr als ein Viertel der Unternehmen rechnet weiterhin mit Umsatzrückgängen“, betont Dr.-Ing. Patric Drewes, Mitglied des BHV-Präsidiums. Hinzu kämen Unsicherheiten durch die internationale Handels- und Zollpolitik, geopolitische Konflikte und Störungen wichtiger Transportwege. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts hat sich für 33 Prozent der Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten verbessert, 42 Prozent sehen keine wesentliche Veränderung, 19 Prozent eine Verschlechterung. Als größte Beeinträchtigung nennen 58 Prozent die Infrastruktur und Erreichbarkeit.
58 Prozent der Unternehmen nutzen KI
Laut der Blitzumfrage setzen bereits 58 Prozent der Unternehmen Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) ein, weitere 29 Prozent planen dies oder bereiten die Einführung vor. 48 Prozent sehen einen steigenden Weiterbildungsbedarf, 46 Prozent einen Bedarf an neuen Qualifikationen. Für 33 Prozent ist die Gewinnung ausreichend qualifizierter Fachkräfte derzeit die größte personalpolitische Herausforderung.
Die BHV setzt nach eigenen Angaben Schwerpunkte bei der Fachkräfte- und Nachwuchsgewinnung sowie beim Umgang mit Digitalisierung und KI. Zuletzt hat der Verband ein erstes Azubi-Bootcamp zur Vernetzung von Nachwuchskräften veranstaltet.