Der Hafen Stuttgart fällt nicht trocken

Der Hafen Stuttgart fällt nicht trocken
Die Binnenschifffahrt entlastet Straßen und Umwelt.
©Foto: Hafen Stuttgart GmbH

Resiliente Logistik statt Stillstand: Trotz Rekordniedrigwasser bleibt der Hafen Stuttgart handlungsfähig und ein verlässlicher Logistik-Hub.

Der stauregulierte Neckar hat die Sommermonate 2026 vergleichsweise gut überstanden. Um den Pegel im Neckar zu halten, wurde, mit Auswirkung auf die Stromerzeugung der Kraftwerke, der Abfluss deutlich verringert.

Da die Neckarschifffahrt bekanntlich über den Rhein bedient wird, war der Hafen Stuttgart allerdings genauso stark betroffen wie alle anderen. Die örtlichen Logistiker haben meisterhaft Kapazitäten aufgespürt, um den Wirtschaftsstandort dennoch zu versorgen.

Der wasserseitige Umschlag hat im Monat Juli 2026 eine spürbare Delle, minus 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, hinterlassen. Die Schiene hat in diesem Zeitraum fast die Hälfte dieser wasserseitigen Mindermenge aufgefangen.

Trotzdem werden die Folgen von Dürre, Niedrigwasser und Rekordtiefständen an den Pegeln im Rhein auch in den kommenden Monaten für die Unternehmen im Hafen Stuttgart zu spüren sein. Die Transportkosten sind in die Höhe geschossen. Transportpreissensible Güter aus der Klassifizierung Sekundärrohstoffe, beispielsweise Schrott, sind liegen geblieben und warten darauf, dass Frachtraum wieder zur Verfügung steht. Der Kleinwasserzuschlag für Container ist ebenfalls in die Höhe geschossen.

Die umsatzstärksten Gütergruppen sind Baustoffe und Mineralölprodukte.
©Foto: Hafen Stuttgart GmbH

Die kurzfristige Aufhebung des Sonntagsfahrverbotes für Lkw konnte die nötigsten Verkehre aufrechterhalten, die normalen Mengen aber nicht vollständig auffangen. Erfreulicherweise ist die Industrie in der traditionell von den Sommerferien schwächer geprägten Phase nicht wirklich ins Stocken geraten.

Die Unternehmen konnten mit der Verknüpfung von Wasser, Schiene und Straße die Krise meistern. Das heißt allerdings nicht, die Folgen des Klimawandels in Form von Dürre und Niedrigwasser infrage zu stellen oder zu verharmlosen. Ganz im Gegenteil: Es bedeutet, dass der aktuelle Rekordtiefstand die letzten Rekordtiefstände von 2018 und 2022 erneut unterboten hat. Auch in den nächsten Jahren sind weitere Rekordniedrigwasser zu befürchten.

32 km Gleisnetz stehen im Hafen Stuttgart für die Logistik bereit.
©Foto: Hafen Stuttgart GmbH

Um darauf vorbereitet zu sein, muss in die Infrastruktur, gerade in die Bundeswasserstraßen, investiert werden. Es bedarf der kontinuierlichen Instandhaltung und des kontinuierlichen Ausbaus. Instandhaltungsmaßnahmen müssen gut aufeinander abgestimmt sein, um unterbrechungsfreie Transporte zu gewährleisten.

Das dient der Resilienz der Güterhubs und sichert die Versorgung von Industrie, Wirtschaft und Verbrauchern. Einzelwagen- und Wagengruppentransporte spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle. Ein Resultat der Niedrigwassermisere könnte, oder besser sollte, sein, die Anzahl und Flexibilität des rollenden Materials dafür deutlich zu erhöhen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die digitale Vernetzung der Akteure. Frachtraumbörsen bieten beste Möglichkeiten, um kurzfristig und unkompliziert Frachtraum effizient zu nutzen. Frachtraumbörsen verhindern Leerfahrten und bieten allen Beteiligten einen geldwerten Vorteil. Die Möglichkeiten sind da. Sie sollten genutzt werden!


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www.schifffahrtundtechnik.de ist das Online-Portal der achtmal jährlich erscheinenden Zeitschrift Schifffahrt und Technik. Schwerpunktthemen sind Schifffahrt und Binnenschifffahrt, Transport und Logistik im Hafen und intermodaler Verkehr zwischen See- und Binnenhäfen. Praxiserfahrene Journalisten recherchieren vor Ort und schreiben Klartext zu Logistik in See- und Binnenhäfen, kombiniertem Verkehr, Reedereien, Güterverkehr und Schwerlastlogistik.