Studie: Warum Logistik zentral für Deutschlands Industrie ist

19.05.2026 09:34 Uhr | Lesezeit: 3 min
Stockbild Logistik (alle Träger)
Supply Chains im Fokus: Logistik gewinnt strategisch an Gewicht
© Foto: DigitalPenTH/ AdobeStock (KI-generiert)

Eine Studie zeigt: Logistik und Supply Chains werden für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands immer wichtiger. KI und Prozessoptimierung treiben die Entwicklung.

Die Logistik- und Supply-Chain‑Branche zählt zu den entscheidenden Faktoren für die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Das zeigt der Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community United Interim, für den 550 Interim Manager befragt wurden.

Zwar sehen 88 Prozent der Befragten weiterhin den Maschinen- und Anlagenbau als wichtigsten Industriezweig. Doch auch die Logistik- und Transportbranche wird von 56 Prozent ausdrücklich als zentral für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands eingestuft – und gewinnt durch zunehmende Komplexität globaler Lieferketten weiter an strategischer Bedeutung.

Industrie und Logistik eng verzahnt

Die Studie macht deutlich, dass die Leistungsfähigkeit der Industrie maßgeblich von funktionierenden Lieferketten und Transportnetzwerken abhängt. Maschinenbau, Automotive und Chemieindustrie – allesamt Schlüsselbranchen – sind in hohem Maße auf effiziente Logistikstrukturen angewiesen.

Gleichzeitig leiden sowohl Industrie als auch Logistik derzeit unter strukturellen Schwächen, etwa durch geopolitische Unsicherheiten, steigende Kosten und zunehmenden Wettbewerbsdruck. Gerade für Deutschland als Exportnation schlagen Störungen im internationalen Handel direkt auf Auslastung, Transportvolumen und Preisentwicklung durch.

KI verändert Supply Chains grundlegend

Ein zentraler Treiber für Veränderungen ist die Künstliche Intelligenz. Laut Studie erwarten 68 Prozent der Befragten signifikante Auswirkungen durch KI im Bereich Logistik, Transport und Supply Chain Management.

Damit zählt die Logistik zu den Branchen, die besonders stark von neuen Technologien betroffen sind. KI wird vor allem eingesetzt, um:

  • Transport- und Routenplanungen zu optimieren
  • Nachfrage und Volumen präziser vorherzusagen
  • Lager- und Bestandsmanagement effizienter zu steuern

Auch in angrenzenden Bereichen wie Industrie und Handel dürfte KI die Anforderungen an Logistikdienstleister weiter erhöhen – etwa durch schnellere Reaktionszeiten und stärker integrierte Supply Chains.

Produktivität: Prozesse wichtiger als Technologie

Trotz der Bedeutung von KI sehen die Befragten den größten Hebel für Produktivitätssteigerungen weiterhin in der Prozessoptimierung. 81 Prozent nennen sie als entscheidenden Faktor – deutlich vor KI‑Anwendungen.

Für Logistikunternehmen bedeutet das insbesondere:

  • Optimierung von Transportabläufen und Netzwerken
  • Effizientere Planung von Vor‑ und Nachläufen
  • Reduktion von Leerfahrten und Wartezeiten

An zweiter Stelle folgt die Qualifizierung der Belegschaft (74 Prozent). Gerade im Logistikumfeld gilt Weiterbildung als entscheidend, um neue Technologien effektiv einsetzen zu können und operative Prozesse stabil zu halten.

Automatisierung und Digitalisierung entlang der Lieferkette

Auch Automatisierung und Digitalisierung gewinnen weiter an Bedeutung. 70 Prozent der Befragten sehen hier wichtige Produktivitätshebel. In der Logistik betrifft das unter anderem:

  • automatisierte Lagerprozesse
  • digitale Steuerung von Transportketten
  • Einsatz moderner Softwarelösungen wie ERP- und TMS‑Systeme

Parallel rücken Konzepte wie Smart Production, Robotics und digitale Zwillinge stärker in den Fokus. Sie verbessern nicht nur industrielle Abläufe, sondern wirken sich direkt auf die Effizienz der gesamten Supply Chain aus.


Logistik als Teil des strukturellen Umbruchs

Die Studie zeigt insgesamt, dass Logistik nicht mehr nur unterstützende Funktion ist, sondern zum strategischen Wettbewerbsfaktor wird. Effizienz, Flexibilität und Resilienz in der Lieferkette entscheiden zunehmend über den Erfolg von Unternehmen.

Gleichzeitig steigt der Druck zur Anpassung: Modernisierung, Digitalisierung und teilweise auch die Verlagerung von Produktions- und Logistikprozessen – etwa nach Osteuropa – gehören für viele Unternehmen zur strategischen Neuausrichtung.



MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


www.schifffahrtundtechnik.de ist das Online-Portal der achtmal jährlich erscheinenden Zeitschrift Schifffahrt und Technik. Schwerpunktthemen sind Schifffahrt und Binnenschifffahrt, Transport und Logistik im Hafen und intermodaler Verkehr zwischen See- und Binnenhäfen. Praxiserfahrene Journalisten recherchieren vor Ort und schreiben Klartext zu Logistik in See- und Binnenhäfen, kombiniertem Verkehr, Reedereien, Güterverkehr und Schwerlastlogistik.