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Niedrigwasser: Binnenschiffe nur noch mit Teilladungen unterwegs

Binnenschiff transportiert Stahlbauteile auf der Elbe in Magdeburg.
© Foto: Jens Wolf / ZB / picture-alliance

Trockene Uferzonen, neue Kiesbänke entstehen und immer weniger Ladung ist verantwortungsvoll machbar: Sinkende Pegelstände bringen die Binnenschifffahrt an ihre Grenzen.


Datum:
08.08.2022
Autor:
cbo/dpa
Lesezeit: 
5 min
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Die Erinnerung ans Niedrigwasser 2018 sind noch frisch: Damals führten die niedrigen Pegelstände dazu, dass Tankstellen teilweise der Treibstoff ausging. Und damals begannen die Pegel schon viel früher mit ihrem Sinkflug. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) wohnt in Kamp-Bornhofen am Rhein und sagt: «Der Unterschied zum Niedrigwasser 2018 ist, dass wir es jetzt viel früher im Jahr haben.» 2018 ist der Pegelstand bei Kaub im Welterbe Oberes Mittelrheintal erst am 22. Oktober auf seinen Rekordwert von 25 Zentimeter gesunken. Das hieße in diesem Jahr bei Vorhersagen von noch vielen sommerlich warmen und niederschlagsarmen Wochen, dass es noch drastischer ausfallen könnte und die Binnenschifffahrt komplett zum Erliegen kommt.  

Michel Girard, Kapitän auf dem Containerschiff «Alorba», sagt: „Wir können nur noch ein Drittel oder ein Viertel laden.“ Sonst drohe ein Auflaufen auf der Flusssohle. Die «Alorba» bildet einen Schubverband, der 183 Meter lang und 23 Meter breit ist. „Wir haben 1400 Tonnen geladen, obwohl wir in dieser Konstellation das dreifache laden könnten“, erklärt Girard. Sein Kollege Hartog vermutet: „Wenn es auch den ganzen August so wenig regnet wie im Juli, ist es unsicher, ob wir im September noch fahren.“

 Auf der Elbe wurde der Gütertransport bereits eingestellt

 Auf der Elbe sind gegenwärtig wegen Niedrigwassers laut dem Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) mit Sitz inDuisburg schon seit Wochen keine Frachter mehr unterwegs. Rund 7350 Kilometer Bundeswasserstraßen gibt es - große Flüsse sowie Kanäle. Der Rhein ist dabei eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt. Laut dem BDB sind in Europa rund 10 000 Güterschiffe unterwegs, darunter etwa 2000 in Deutschland registrierte Schiffe. Bei Flüssen mit Staustufen wie Mosel, Main und Neckar ist Niedrigwasser weniger ein Problem, weil sich ihr Pegelstand regulieren lässt. Der Rhein ist nördlich vom baden württembergischen Iffezheim nicht mehr staugeregelt.

 BDB sieht Etatkürzung äußerst kritisch

Für BDB-Geschäftsführer Jens Schwanen erschwert das Niedrigwasser den Gütertransport um knappen Schiffsraum, und das gerade in besonders anspruchsvollen Zeiten, die vom Ukraine-Krieg und Energiekrise geprägt sind. „Die Zahl der Binnenschiffe ist begrenzt“, sagt Schwanen. Lkw sind keine grundsätzliche Alternative, weil wir so viel größere Mengen transportieren. Schon ein 110-Meter-Schiff kann bis zu 3000 Tonnen befördern», erklärt der BDB-Chef. „Verteilen Sie das mal auf Lkw.“ Der BDB sieht mit Sorge den Zustand der Wasserstraßen und stockende Bauprojekte. Hebewerke, dringend notwendige Vertiefung von Flussläufen, Beseitigung von Flachstellen stehen auf der Dringlichkeitsliste für den Ausbau von Wasserstraße ganz oben. In diesem Zusammenhang sieht der BDB den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2023 äußerst kritisch angesichts einer Senkung des Etats für den Wasserstraßenausbau um 360 Millionen Euro.

 

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