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E-Schifffahrt: Neues E-Schiff für die Bodensee-Schiffsbetriebe

28.07.2022 10:32 Uhr | Lesezeit: 8 min
Bodensee-Schiff1
Das Feuerwehrboot aus Friedrichshafen begrüßte das neue Schiff mit einer Fontaine auf dem Wasser.
© Foto: Stadtwerke Konstanz

Das erste vollelektrisch betriebene Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) ist eingewassert: Der Stapellauf, bei dem das Schiff aus der Werfthalle in Friedrichshafen ins nasse Element gelassen wurde, fand am 28. Juni statt, die Schiffstaufe auf den Namen MS INSEL MAINAU folgte am 17. Juli.

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„Nach nur neun Monaten Bauzeit ist das E-Schiff jetzt so gut wie fertig“, sagt Frank Weber, Geschäftsführer der BSB. „Für uns als BSB ist das ein großer Tag, denn heute sind wir unserer großen Zukunftsvision einer klimaneutralen Schifffahrt auf dem Bodensee einen wichtigen Schritt nähergekommen.“ Christoph Witte, technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsführung der BSB ergänzt: „Für mich als Schiffsbauingenieur ist es mit der spannendste Moment auf dem Weg zu unserem neuen Schiff.“

Neue Dimension im E-Schiffbau
„Mit diesem Fahrgastschiff zum Einsatz auf dem Bodensee stoßen wir im Geschäftsfeld Elektro-Solar-Schiffe in neue Dimensionen vor. Die Kapazität von 300 Fahrgästen übertrifft alle bisherigen von Ostseestaal konstruierten und realisierten Elektro-Fähren bzw. -Fahrgastschiffe“, betont Dr. Thomas Kühmstedt, Technischer Direktor der Werft Ostseestaal aus Stralsund.
Christoph Witte: „Die E-Schiffe sind kleiner und durch die Aluminium-Konstruktion leichter als die BSB-Standardschiffe. Um dennoch ausreichend Platz für unsere Fahrgäste bei gleichzeitig niedrigem Schiffswiderstand und Energieverbrauch realisieren zu können, haben wir uns für das Katamaran-Prinzip entschieden.“ Dadurch wird ein geringerer Schiffswiderstand im Vergleich zum konventionellen Einrumpf-Schiff erreicht. Laut Ingo Schillinger, zuständiger Manager bei Ostseestaal, geht die Spezialfirma bei diesem Projekt neue Wege. So handelt es sich beim Bodensee-Katamaran um einen parametrisch modellierten Aluminiumrumpf. Dieser wurde anhand numerischer Berechnungspunkte computergestützt strömungsoptimiert.

Neuartige Solarmodule
Zudem setzt das Energiekonzept neue Maßstäbe im Schiffbau. Zum Einsatz kommen eine speziell entwickelte Steuerungs- und Optimierungssoftware und ein innovatives Magnetanlegesystem. Um einen ökologisch ganztägigen Betrieb zu ermöglichen, fährt das Schiff mit reduzierter Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. In der Mittagspause sowie nachts wird der Akku mit 1.000 kWh Kapazität mit Öko-Landstrom nachgeladen. Das Freideck ist komplett mit Solarzellen überdacht, die in Konstanz entwickelt wurden. Die erstmals eingebauten zweiseitigen Solarmodule können auf ihrer Vorder- und Rückseite zusätzlich grünen Strom an Bord produzieren, der für den Antrieb eingesetzt wird. Zwei 75 kW leistende Elektromotoren in Ruderpropellern bringen die in der Batterie aus Solar- und Landstrom gespeicherte Öko-Energie ins Wasser.

Kooperation beim Werft-Ausbau
Der Zusammen- und Ausbau des Schiffes erfolgte auf der BSB-Werft in Friedrichshafen in Zusammenarbeit mit Ostseestaal, welche die auf der Werft in Stralsund gefertigten Katamaran-Rümpfe, Aufbauten und Antriebe im Februar 2022 per LKW in einzelnen Sektionen an den Bodensee geliefert hat.
Das Schiff bietet Platz für 300 Passagiere, auf dem unteren Vordeck ist Platz für Fahrräder und es gibt dort die Möglichkeit, die Überfahrt an der frischen Seeluft zu genießen. Zum Konzept gehört Barrierefreiheit, so gibt es unter anderem separate Toiletten für bewegungseingeschränkte Fahrgäste. Das jüngste Mitglied der Weißen Flotte der BSB ist das erste vollelektrisch betriebene Schiff. Wenn sich Design und Technik bewähren, soll ein Schwesterschiff gebaut werden. Dieses könnte dann 2025 in Betrieb gehen.

Zukunft voraus – Eine Schiffsflotte im Wandel
„Wir sehen das E-Schiff als ersten von vielen Bausteinen, mit denen wir bis 2035 die komplette Flotte auf umweltfreundliche Antriebe umstellen wollen“, berichtet Christoph Witte. „Derzeit engagieren sich die BSB bei einer Vielzahl von alternativen Antriebsprojekten in der Schifffahrt. Vollelektrische Antriebe werden nur ein Baustein sein, denn es gilt auch für die Bestandsflotte, insbesondere die denkmalgeschützten Schiffe, vom Kohlenstoff der fossilen Brennstoffe wegzukommen. Wir setzen bereits jetzt Lösungen um, die technisch sinnvoll sind“, sagt Witte: „Wir dürfen und wollen keine Zeit auf dem Weg zur Dekabornisierung verschenken. Der Bodensee soll Modellregion für eine klimaneutrale Zukunft der Binnen-Fahrgastschifffahrt werden.“
Der Stapellauf verlief ganz nach Plan: Um 9.15 Uhr morgens öffneten sich die Tore der Werft in Friedrichshafen und das Schiff wurde mit dem Heck voraus langsam ins Wasser gelassen. Um 10 Uhr schwamm das E-Schiff im Hafenbecken. Nun folgten die restlichen Programmierarbeiten und die Inbetriebnahme der einzelnen Schiffssysteme. „Danach stehen die Probefahrten an“, erläutert Witte. Dabei wird das Schiff auf Herz und Nieren geprüft sowie das Schiffspersonal eingelernt.
Im Anschluss an die Schiffstaufe am 17. Juli absolvierte das MS INSEL MAINAU zwei Rundfahrten mit den Taufgästen. Ab Anfang August starten von verschiedenen Häfen aus Begrüßungsfahrten des neuen Elektroschiffes für die Bevölkerung. Das spätere Einsatzgebiet liegt im Überlinger See zwischen Uhldingen und der Insel Mainau. Das Schiff kostet 3,6 Mio. Euro – davon wurden 300.000 Euro als Förderung vom Bund übernommen, so die BSB in einer Presseverlautbarung. Weitere Informationen, Fotos und Videos zum E-Schiff unter www.bsb.de/ms-artemis.

Daten & Fakten MS INSEL MAINAU

Länge:                 33,00 m
Breite:                 8,26 m
Tiefgang:             1,26 m
Dienstgeschw.:     15 km/h
Höchstgeschw.:    17 km/h
Anzahl Fahrgäste: 300
Anzahl Fahrräder: 18
Batteriekapazität: 960 kWh
Antrieb:               2 x 75 kW E-Motoren in Ruderpropellern

Das neue Elektro-Solar-Fahrgastschiff für den Bodensee ist mit vielen Innovationen für ein effizientes Energiemanagement ausgestattet. Das Freideck ist komplett mit Solarzellen überdacht.
© Foto: Stadtwerke Konstanz
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