Alltag auf Containerschiffen: Zwischen Routine und Herausforderung
Der Berufsalltag auf einem Containerschiff ist vielseitig und verlangt ständige Anpassung und genau das macht für Middents den Reiz ihres Jobs aus. „Die Seefahrt ist super vielseitig und macht einfach sehr viel Spaß“, sagt Middents der dpa.
An Bord wechseln sich ruhige Passagen und anspruchsvolle Situationen ab. „Jeden Tag wird man mit seinem Wissen und seinen Fähigkeiten neu gefordert. Mal ist wirklich Ententeich, blauer Himmel und die Delfine springen am Horizont, und dann gibt es Tage, wo man auf besondere Wettersituationen oder veränderte Hafeneinläufe reagieren muss“, erklärt Middents.
Karriereweg: Einstieg in die Seefahrt nach dem Abitur
Der Weg auf die Brücke begann für die Ostfriesin schon früh mit ihrer Nähe zum Wasser. Nach dem Schulabschluss informierte sie sich über verschiedene Studiengänge und entschied sich schließlich für Wirtschaftsingenieurwesen und dieSeefahrt. „Ich habe das gelesen und mir gedacht: Das ist es, das will ich machen“, erinnert sich Middents gegenüber der dpa. Heute trägt sie die Gesamtverantwortung für Schiff, Ladung und die internationale Besatzung.
Verantwortung an Bord: Führung und Teamkultur
Neben der nautischen Expertise ist die Führung der Crew ein zentraler Bestandteil ihrer Aufgaben. Gerade auf langen Reisen spielen Teamgeist und Zusammenhalt eine wichtige Rolle.
Gemeinsame Aktivitäten wie Grill-Partys gehören ebenso als Teamevents an Bord. Auch eine Nikolausaktion hat Middents veranstaltet: „Deutsche Tradition, saubere Schuhe vor die Tür stellen - dann kommt vielleicht der Nikolaus“, schrieb sie im Vorfeld an die Crew. So ließen sich auch auf einem internationalen Schiff eigene Traditionen und Bräuche teilen, sagt sie.
Frauen in der Seefahrt: Anteil bleibt niedrig
Der Anteil von Frauen an Bord von Containerschiffen bleibt weiterhin gering. Zwar ist in Deutschland ein leichter Anstieg zu beobachten, insgesamt liegt der Anteil laut Verband Deutscher Reeder (VDR) bei rund sieben Prozent. Bei Hapag-Lloyd beträgt er aktuell 5,7 Prozent. International liegt der Wert laut VDR bei etwa zwei Prozent.
Auf vielen Schiffen ist Middents weiterhin die einzige Frau. „Wenn man als Frau allein an Bord ist, dann ist man die Frau“, sagt sie der dpa. Gleichzeitig zeigt sich eine Veränderung, wenn mehr Frauen Teil der Crew sind: „Aber wenn mehrere Frauen an Bord sind, dann ist man die Offizierin oder die Ingenieurin und nicht mehr nur „die Frau“. Das normalisiert vieles.“
Nachwuchs für die Branche: Appell an junge Frauen
Sie wünscht sich mehr Frauen in der Seeschifffahrt. Ihr Rat an junge Frauen, die vor der Berufswahl stehen: „Wenn man sich für die Seefahrt interessiert, sollte man es in jedem Fall ausprobieren.“
Denn Frauen nicht nur für maritime Berufe, aber auch für die Logistikbranche insgesamt zu gewinnen, bietet nicht nur ihnen selbst mehr Optionen - es ist auch für die Branche, die stets nach motivierten Fachkräften sucht, ein großes Potential. Gerade in der Ausbildung und Berufsorientierung ist es deshalb entscheidend, früh Einblicke zu ermöglichen.