Der Regio-Spezial Prolog 06|2020

 

Blaupause für die Zukunft

 

 

Bei unserer Redaktionsreise entlang von Main und Donau konnten wir wieder einmal, neben vielen spannenden Gesprächen an Terminals, Häfen und Werften, die schönen Landschaften entlang der Flüsse sehen. Die Frage muss allerdings gestattet sein, wie lange wir das noch tun können, denn die Wasserstände an der Donau sind wieder einmal auf ein besorgniserregend niedriges Niveau gefallen. Am Pegel Pfelling zwischen Regensburg und Passau werden nur noch rund 2,40 m gemessen (der historische Tiefstand vom 23.8.2018 betrug 2,28 m). Für die umgebende Natur, die Grundwasserspiegel und die Landwirtschaft nehmen die Häufungen von starkem Kleinwasser langsam bedrohliche Formen an.

 

 

 

An der Elbe kann man in die Zukunft der Donau schauen: Vertrocknete Auen, und Landwirte in Wassernot. Auch für die Binnenschifffahrt hat dieses Niedrigwasser dramatische Folgen: Aktuell kann ein 110 m langes Güterbinnenschiff in diesem Donauabschnitt nur noch rund ein Viertel seiner möglichen Ladungsmenge aufnehmen. Der längst beschlossene und im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 im Vordringlichen Bedarf verankerten Ausbau der Donau muss nun schnellstmöglich umgesetzt werden, wobei die beschlossenen Maßnahmen und Wasserstands-Vorhersagen zwar dringend nötig, aber nicht einmal ausreichend sind, damit sich die Donau nicht zu einem „Totalausfall“ für den Verkehrsträger Binnenschifffahrt ent-
wickelt. Auf der Erlenbacher Schiffswerft am Main rauft man sich auch noch aus anderen Gründen die Haare: Die bereits zertifizierten Motoren, die man für Kundenaufträge einbauen wollte, werden von der SUK schlicht nicht akzeptiert, als sei die viel kritisierte Motoren-Richtlinie der EU (NRMM) an sich nicht schon genug, um der Binnenschifffahrt nachhaltig zu schaden. Hinzu kommt ein weiterer Umstand, der die Flussschifffahrt entzweit und partiell benachteiligt: Die Förderrichtlinie für die nachhaltige

Modernisierung von Binnenschiffen wurde aktuell geändert und die Fahrgastschifffahrt aus großen Teilen der Förderung ausgeschlossen. So sind die Neubauten aus der Förderung der Energieeffizienz komplett herausgenommen. Hier sollten ursprünglich hydrodynamische Maßnahmen gefördert worden, es ist aber nur die Motorenförderung erhalten geblieben. Für Umbauten sind nur noch punktuelle Maßnahmen erlaubt. Größere Maßnahmen bleiben nach derzeitigem Stand der Gütermotorschifffahrt vorbehalten. In einer Zeit, in der ein Schulterschluss zwischen Bahn und Binnenschiff nötig wäre, um der überquellenden Straße Paroli bieten zu können, treibt man einen Keil zwischen die Nutzer der Wasserstraße und schädigt ohne Rücksicht Schiffseigner und Werften. Die unermüdlich kämpfenden Hafenchefs entlang der Donau sind hier nicht hoch genug zu schätzen. Ihre Konzepte der Hinterland-Hubs mit implizierter Verkehrs-Verlagerung sind eine Blaupause für die Zukunft. Im Hafen Straubing-Sand setzt man zudem ganz verstärkt auf Nachhaltigkeit und offene Kommunikation. Hier arbeiten Umweltvertreter und Hafenbetreiber zusammen. Auch eine Blaupause für die Zukunft.


Ihr

Martin Heying

SUT-Chefredakteur