Der Regio-Spezial Prolog 03|2021

 

Nicht vergessen!

 

 

Die Verkehre sind mit den unterschiedlichen Verordnungslagen während der aktuellen Pandemie aus dem Tritt geraten. Just in time Verkehre stehen ebenso auf dem Prüfstand, wie Verkehrsrouten und Transportketten. Die Havarie der EVER GIVEN zeigt auf globaler Ebene die Verwundbarkeit unserer Versorgungswege, wie es regional der Hangrutsch am Mittelrhein ist. Hinzu kommt die Abfertigungssituation an den Westhäfen – vornehmlich der Binnenschiffe – die vor allem den Schweizer Rheinanliegern Kopfzerbrechen bereitet.

 

 

 

 

 

In den Seehäfen kommt es immer häufiger zu Verschiebungen der Cargo Opening Times (COT) und Cargo Closing Times (CCT), also den Zeitfenstern, in denen von Binnenschiffen Container an den Seeschiff-Terminals angeliefert werden können. Mit viel Einsatz und Flexibilität finden sich zwar Lösungen, die kosten aber Geld. Das wird jedoch gern ignoriert und vergessen. Hier muss eine Unterstützung seitens der politischen Kräfte her, die mit Macht eine Verkehrsverlagerung fordert, wenn  diese Forderungen mehr, als nur Lippenbekenntnisse sein sollen. Das gilt für die deutsche Politik ebenso, wie für die niederländische und für die belgische. Bei unserer RegioSpezial Redaktionsreise konnten wir deutlich erkennen: Leidtragende sind diejenigen, die an Rhein und Neckar Wege und Strukturen aufgebaut haben und am

Leben erhalten, um große Gütermengen abseits der Straße zu transportieren und umzuschlagen. Unterstützung brauchen diese weitsichtig agierenden Stakeholder in der Logistik auch dabei, Wasserweg und Schiene kongenial miteinander zu verbinden, statt hier einen desaströsen Wettbewerb zu forcieren. Es macht einfach keinen Sinn, wenn die Bahn ihre Gütermengen erhöht, indem sie vermehrt Güter auf den klassischen Schifffahrtsrouten akquiriert. Die Meinung aller Hafenbetreiber an Neckar und Oberrhein bis hin nach Basel war einhellig: Die Häfen sind prädestiniert, diese Balance zu finden und damit eine sinnvolle Risikostreuung zu erreichen. Daher geht ihr Appell an die Verantwortlichen, bei den Förderungen und Planungen, egal welcher Art, die Binnenschifffahrt nicht zu vergessen.


Ihr

Martin Heying

SUT-Chefredakteur