Der Regio-Spezial Prolog 08|2020

 

Gut gedacht, schlecht gemacht

 

 

Seit mehr als einem halben Jahr hält das SARS-CoV-2 Virus Deutschland, Europa, ja die gesamte Welt in Atem. Und anfänglich haben viele die Pandemie gar nicht als solche ernst genommen. Eine Grippe-Variante vielleicht, aber keinesfalls lebensbedrohlich. Inzwischen haben wir gelernt, dass es sehr wohl eine Pandemie ist und dass diese nicht nur lebens- sondern auch existenzbedrohend ist. Die Unsicherheit, privat, wie geschäftlich, beruflich und politisch, ist seitdem unser ständiger Begleiter.

 

Tatsächlich würde es den politischen Gremien zustehen, die durch die Pandemie verursachten Unsicherheiten aufzunehmen und in sinnvolle Konzepte umzuwandeln. Natürlich hat niemand einen derartigen Einschnitt - gesellschaftlich, wie ökonomisch - vorhergesehen. Aber irgendwann ist so eine Überraschung ja auch mal vorbei. Dann könnte man ja auch mal ganz entspannt auf die diversen Fachleute hören, und nicht nur auf das RKI allein, um sich eine Meinung zu

 

 

 

bilden und eine Strategie zu entwickeln. Ein solches Vorgehen würde man dann, wenn es zu einem konzeptionellen Handeln führt, als Resilienz bezeichnen. Denn Entwicklungen, die durch die Veränderungen beschleunigt oder in Gang gesetzt wurden, und die es nun klug weiterzuentwickeln gilt, gibt es in Mengen. Und damit ist wahrlich nicht nur die Digitalisierung gemeint - wenngleich die Lager, die mit dem Online Handel in Verbindung stehen, wie bei der Rhenus aus allen Nähten platzen. Geänderte Logistikketten, mit verstärktem Schienenverkehr nach China, wie im Duisburger Hafen klug weiterentwickelt, oder bei J. Müller in Brake neu installiert, sind Beispiele für solche Entwicklungen. Die Werften experimentieren zunehmend mit Solartechnik, Brennstoffzellen, Hybridantrieben und dergleichen. Die Motoren-Hersteller sorgen nicht nur für zertifizierte NRMM konforme Motoren, auch hier forscht man massiv an Verbrennungsmotoren mit alternativen Brennstoffen, bis hin zu Wasserstoff. Bei der Rhenus Port Logistics geht man noch weiter, bereitet die Flotte auf den Elektroantrieb vor und ist beim Energieträger trotzdem ergebnisoffen.

Dies sind nicht einmal alle Entwicklungen, die durch die Krise, oder trotz der Krise voranschreiten, und die es zu unterstützen gilt. Auch außerhalb der Logistik gibt es mannigfaltige Optionen, die wir jetzt gemeinsam nutzen sollten: Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Das Zauberwort in der Krise lautet: Zusammenarbeit. Die brauchen wir aber nicht nur zwischen den gesellschaftlichen Gruppen, sondern auch zwischen den Verbänden, den Ministerpräsidenten und den verschiedenen Ministerien auf Landes- und Bundesebene und vor allem auch zwischen den europäischen Gremien. Nabelschauen, Konkurrenzgehabe und sonstige geistige Kleingärtnereien schaden dem großen Ganzen. Alle sollten jetzt ganz besonders im gemeinsamen, nationalen und europäischen Interesse handeln – und auch den Mut haben, die Unwilligen gehen zu lassen oder gar hinauszuwerfen. Das wird uns am Ende stärken und nicht schwächen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gesundes Weihnachtsfest und ein gemeinsam gestaltetes neues Jahr.


Ihr

Martin Heying

SUT-Chefredakteur